Aktuell

Das »Warenhaus der Zukunft« braucht die Beschäftigten

Karstadt und Kaufhof

Das »Warenhaus der Zukunft« braucht die Beschäftigten

Information für die Beschäftigten von Karstadt und Galeria Kaufhof (Februar 2019)


Spitzengespräch zu Kaufhof und Karstadt

Nur wenige Tage nachdem die Geschäftsführung des Gemeinschaftsunternehmens von Karstadt und Galeria Kaufhof einseitig ein einschneidendes Sanierungsprogramm beim Kaufhof angekündigt hat, ist es am 29. Januar zu einem Spitzengespräch mit ver.di und den jeweiligen Gesamtbetriebsräten in Berlin gekommen.

Eingeladen hatten René Benko als Chef der Mehrheitseignerin Signa Holding und Stephan Fanderl, CEO der Warenhaus-Holding. Für die Arbeitnehmerseite nahmen u.a. der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske, Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger sowie die GBRVorsitzenden Peter Zysik (Kaufhof) und Jürgen Ettl (Karstadt) teil. Sie machten deutlich, dass ein Zukunftskonzept nur erfolgreich sein kann, wenn die Beschäftigten und ihre Gewerkschaft einbezogen werden.

Anliegen der Arbeitgeberseite war es, die Konzepte und Vorgehensweisen bei der Zusammenführung der beiden Warenhaus-Unternehmen vorzustellen; Karstadt Sports und Karstadt Feinkost waren nicht Gegenstand des Gespräches. Dargestellt wurde, dass sich der ehedem kerngesunde Kaufhof in den letzten Jahren zum ernsthaften Sanierungsfall entwickelt habe, der hohe Verluste erwirtschafte. Der Finanzbedarf sei enorm, der Investor sei jedoch bereit, auch weiter in das Unternehmen zu investieren, weil er an die Zukunft des Warenhauses glaube. Allerdings sei die Schieflage inzwischen so groß, dass ein Sanierungsbeitrag auch der Kaufhof-Beschäftigten zwingend erforderlich sei. Konkret benannt wurden 70 Millionen Euro.

Die Arbeitnehmer-Vertreter haben sehr deutlich gemacht, dass jeder Sanierungsbeitrag voraussetzt, dass für die vorgesehenen Maßnahmen das Vertrauen der Beschäftigten gewonnen wird. Der Sanierungsbedarf sei unübersehbar vorhanden – klar sei aber auch, dass allein mit Kostensenkungsprogrammen gar nichts erreicht werden könne.

Gemeinsame Lösung nur bei Bekenntnis zur Tarifbindung

ver.di kritisierte die Art der Kommunikation in der Vorwoche: Die blitzartige Flucht in die Ohne-Tarif-Mitgliedschaft der Arbeitgeberverbände müsse als Provokation aufgefasst werden. Im Klartext: Massiver Personalabbau und Austritt aus der Tarifbindung sind völlig kontraproduktiv, weil so weiter Vertrauen zerstört wird.

Stefanie Nutzenberger nannte Standort- und Beschäftigungssicherung – auch für die 40 Doppelstandorte – sowie ein Bekenntnis zur Tarifbindung als Voraussetzungen für eine gemeinsame Lösung. Wichtig sei ein tragfähiges Zukunftskonzept, an dem die Beschäftigten beteiligt werden. Die Arbeitgeberseite ihrerseits versicherte, eine Tariflösung für Karstadt und Galeria Kaufhof mit ver.di anzustreben.

Das Warenhaus-Management mit Herrn Fanderl an der Spitze stellte die geplanten Maßnahmen dar, mit denen der angestrebte Sanierungserfolg für das »Warenhaus der Zukunft« erreicht werden soll.

Die vorgestellten Konzepte für das »Warenhaus als Marktplatz in der Innenstadt« – Stichworte sind u.a. Warensortiment, das Auftreten im Markt als eine Marke, das Neuaufstellen bei E-Commerce und Omnichannel, Synergieeffekte, Optimierung der Logistik und des Einkaufs – basieren im Wesentlichen auf den nach eigener Einschätzung erfolgreich bei Karstadt erprobten Sanierungskonzepten. Viele Fragen zu den vorgestellten Konzepten konnten im Rahmen dieses ersten Gesprächs nicht abschließend geklärt werden, auch nicht die nach der Nachhaltigkeit des »Sanierungserfolgs« bei Karstadt.

Noch im Februar will ver.di die Tarifkommissionen von Karstadt und Kaufhof zu gemeinsamen Beratungen über die nächsten Schritte und Maßnahmen zusammenrufen. Die Arbeitgeberseite hat ihrerseits zugesagt, bis dahin die Eckpunkte eines Zukunftskonzeptes inklusive eines möglichen Beitrages der Beschäftigten schriftlich vorzulegen.

Für ver.di ist klar: Ein aus Karstadt und Kaufhof entstehendes »Warenhaus der Zukunft« kann nur mit Beteiligung der Beschäftigten entwickelt werden!
Es braucht mehr Menschen auf der Fläche und nicht weniger!

Gerade auch Bedienung und Beratung lassen sich nur mit einer ausreichenden Zahl von Beschäftigten umsetzen, die Respekt und vor allem Anerkennung für ihre Leistungen erfahren. Und den Schutz durch Tarifverträge!

Machen wir uns für diese Ziele gemeinsam stark: Schließt euch zusammen, werbt für eure Gewerkschaft, werdet Mitglied in ver.di!