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Wer kämpft, kann gewinnen!

Nachrichten aus Südasien

Wer kämpft, kann gewinnen!

exChains-Nachrichten (00/2019)

Für unsere Kolleg*innen in Indien, Bangladesch und Sri Lanka war der Januar ein Monat voller Arbeitskämpfe. Teilweise dauern sie immer noch an.

Am 8. und 9. Januar streikten bis zu 200 Millionen Arbeiter*innen in Indien gegen die Politik der Regierung von Ministerpräsident Narendra Modi. Am Streik und den Protesten beteiligten sich auch unsere Kolleg*innen der Gewerkschaften GATWU in Bangalore und GAFWU in Chennai. Grund für den Streik, zu dem fast alle Gewerkschaften in Indien aufgerufen haben: Die Regierung kürzt bei den ohnehin spärlichen Sozialversicherungen, schränkt Gewerkschaftsund Beschäftigtenrechte ein, tut nichts gegen die hohen Preissteigerungen für Dinge des alltäglichen Bedarfs und schweigt angesichts weit verbreiteter sexueller Belästigung. An den Streiks haben Kolleg*innen aus Bekleidungsfabriken teilgenommen, die u.a. für H&M, Zara, Otto und Primark produzieren. Unsere Kolleg*innen von GAFWU wurden aufgrund ihrer Streikaktivitäten vorübergehend sogar in Polizeigewahrsam genommen!

Etwa zur gleichen Zeit streikten und protestierten hunderttausende Arbeiter*innen in Bangladesch für einen höheren Mindestlohn. Die Regierung reagierte mit Repression, die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein, um die Protestierenden zu vertreiben. Der Mindestlohn für Beschäftigte der Bekleidungsindustrie war Ende 2018 nach fünf Jahren erstmals wieder angehoben worden, und zwar auf 8.000 Taka (ca. 84€) für die niedrigste der sieben unterschiedlichen Lohngruppen. Arbeiter*innen und Gewerkschaften hatten jedoch für ein Leben in Würde mindestens das Doppelte gefordert und so kam es zu Protesten, die sogar Erfolge zeigten: Der Mindestlohn wurde noch einmal erhöht, wenn auch längst nicht auf die geforderten 16.000 Taka. Die zweite Erhöhung machte in einigen der sieben Lohngruppen nur wenige Cent pro Monat aus, in anderen bis zu fünf Euro. Allerdings reagieren Regierung und Unternehmerverbände mit Repression auf den Arbeitskampf. Laut Gewerkschaft National Garment Workers Federation (NGWF) wurden über 11.000 Arbeiter*innen entlassen, Hunderte sind noch immer in Polizeigewahrsam, gegen über 3.000 wurde Anklage erhoben. Die Betroffenen sind laut Presseberich-ten u.a. bei Zulieferern von H&M, Zara, Walmart und Next beschäftigt. Für die Gewerkschaften in Bangladesch, darunter auch unsere Kolleg*innen von der NGWF, ist klar: Regierung und Unternehmen versuchen mit allen Mitteln, die Arbeiter*innen zu schlagen und sie den Erfolg und die Erfahrung gemeinsamen solidarischen Handelns vergessen zu machen. Diese werden jedoch von ihren Gewerkschaften unterstützt, die die sofortige Wiedereinstellung aller Entlassenen und ein Ende der Repression fordern. Dazu haben sie einen Kampagne gegen die Politik der Regierung und des Arbeitgeberverbandes gestartet und planen auch die Abnehmerkonzerne in die Pflicht zu nehmen.

Mit Repression haben auch unsere Kolleg*innen in Sri Lanka zu kämpfen. Das Unternehmen ATG Ceylon Pvt stellt Arbeitshandschuhe u.a. für Logistikunternehmen her. Mitglieder der Gewerkschaft Free Trade Zones & General Services Employees Union (FTZ&GSEU) sind dort seit Jahren gewerkschaftlich aktiv. Nun reagiert die Geschäftsleitung mit einer neuen Stufe der Repression gegen fünf aktive Gewerkschafter*innen der FTZ&GSEU im Betrieb, die dort den Kern der Betriebsgewerkschaft bilden: Sie wurden entlassen. Der Grund für die Kündigung: Sie hatten 2015 eine Blutspendekampagne (!) im Unternehmen gestartet, ohne dies vorher mit der Geschäftsleitung abzusprechen. Die Belegschaft antwortet auf diesen Angriff mit einem Streik, der so lange andauern soll, bis die Kolleg*innen wieder eingestellt sind. Das Vorgehen des Managements setzt eine Reihe gewerkschaftsfeindlicher Maßnahmen fort und treibt sie auf die Spitze: Die Betriebsgewerkschaft wird trotz 95% Unterstützung durch die Belegschaft nicht anerkannt; langjährigen Gewerkschaftsmitgliedern werden ihnen zustehende Sonderzahlungen verweigert.

Auch wenn all das über 6.000 Kilometer entfernt von uns passiert: Vieles erkennen wir wieder. In den kommenden Monaten stehen bei uns Tarifverhandlungen im Einzel- und Versandhandel sowie im Groß- und Außenhandel an. Gemeinsam kämpfen wir für Tarifverträge, um existenzsichernde Einkommen und gute Arbeitsbedingungen zu ermöglichen. Deshalb setzen wir uns weiter für allgemeinverbindliche Tarifverträge ein. Auch Schikanen, die Kündigung und Einschüchterung von aktiven BR-Kolleg*innen und Gewerkschafter*innen erleben wir bei uns. Das nimmt (noch?) nicht dieselben Ausmaße an wie bei unseren Kolleg*innen in Südasien. Aber auch unsere europäischen Kolleg*innen von der Gewerkschaft SI-COBAS aus Italien, die im vergangenen Jahr die H&M-Betriebsräteversammlung besucht haben,
berichteten dort von Gewerkschafter*innen, die inhaftiert wurden, weil sie in Logistikzentren für H&M gute Arbeitsbedingungen erkämpfen wollten.

Für uns alle gilt:
Eine Verbesserung unserer Arbeits- und Lebensbedingungen werden wir nur erreichen, wenn wir gemeinsam handeln und kämpfen!