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exChains-Nachrichten (16/2018)

 
Beim Etikettenhersteller Avery Dennison in Bangalore kämpfen „Leiharbeiter“ seit einem Jahr gemeinsam mit ihrer Gewerkschaft GATWU gegen ihre Diskriminierung (wir haben berichtet). Als GATWU Avery Dennison zu Beginn des Konflikts aufgefordert hatte, die Missstände abzustellen und Verhandlungen mit ihr aufzunehmen, waren stattdessen die gewerkschaftlich organisierten Leiharbeiter gefeuert worden.

Inzwischen haben sich direkt bei AD angestellte Kollegen mit den „Leiharbeitern“ solidarisiert und sind von der unternehmensnahen gelben Gewerkschaft zur GATWU gewechselt. Das ist ein Riesenerfolg, den das Management unbedingt hatte verhindern wollen - z.B. durch Bestechung und Drohungen mit Fabrikschließung. Die Beschäftigten ließen sich weder bestechen noch abschrecken und nahmen ihr Recht auf freie Gewerkschaftswahl in Anspruch.

Am 11. Juli gab GATWU bekannt, dass sie nun auch bei den direkt Angestellten über eine Mitgliedermehrheit verfügt, und forderte AD erneut dazu auf, sie als Verhandlungspartnerin anzuerkennen. AD verschärfte stattdessen den Konfrontationskurs.

Am 13. Juli wurden die gewerkschaftlich Aktiven während einer GATWU-Kundgebung vor den Fabriktoren vom Sicherheitspersonal gefilmt - ein Versuch zur Einschüchterung und damit massiver Verstoß gegen die Vereinigungsfreiheit. Damit nicht genug: Einige Tage später wurde in der Fabrik Videoüberwachung installiert, ohne GATWU als stärkste Gewerkschaft darüber im Vorfeld zu informieren.

Der Konflikt brachte derweil auch internationale Solidarität auf den Plan. Der Betriebsrat von Primark Hannover hat seine Geschäftsleitung bereits mehrfach zum Handeln aufgefordert, ebenso der Gesamtbetriebsrat von H&M. Schließlich behaupten beide Unternehmen in ihren Verhaltenskodizes, die Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen bei ihren Zulieferbetrieben zu garantieren, H&M zudem auch in einem Globalen Rahmenabkommen mit dem internationalen Gewerkschaftsverband IndustriALL.

Der Druck zeigte Wirkung. Schließlich einigte man sich auf Verhandlungen zwischen AD und GATWU sowie deren Dachverband NTUI unter Anleitung der Ethical Trading Initiative (ETI), in der zahlreiche Modemultis Mitglied sind.

Am 13. Juli sagte AD kurzfristig ab. Begründung: die GATWU-Kundgebung vor dem Fabriktor. Diese klassische Aktionsform gewerkschaftlicher Interessenvertretung bewertete AD als „Einschüchterungsversuch“ durch GATWU. Ein zynischer Vorwurf ausgerechnet aus dem Munde des AD-Managements, das die Arbeiter zunächst durch Schließungsdrohungen, dann durch filmende Wachleute und schließlich durch die Warnung, sich nicht mit „Außenstehenden“ einzulassen, davon hatte abhalten wollen, sich in der Gewerkschaft ihrer Wahl zu organisieren. Ein von der gelben Gewerkschaft zur GATWU gewechselter Festangestellter war sogar von einem Mitglied der gelben Gewerkschaft zunächst telefonisch bedroht und schließlich am 1. August zuhause aufgesucht worden.

Das AD-Management versuchte es nicht nur mit Peitsche, sondern auch mit Zuckerbrot: Am 3. August fanden die Arbeiter plötzlich „Geschenke“ des Managements in der Fabrik vor: Stereoanlagen und Ventilatoren. Sie lehnten diese ab und forderten das Management auf, Verhandlungen mit GATWU aufzunehmen.

Eins steht fest: Der Druck auf Avery Dennison darf nicht nachlassen! Der BR von Primark Hannover und der H&M-GBR fordern ihre Unternehmen auf, „gegenüber AD deutlich zu machen, dass sie Verhandlungen mit GATWU als zuständiger Gewerkschaft aufnehmen müssen. Der mit der ETI vereinbarte Prozess war ein Schritt in die richtige Richtung. Wir unterstützen die Forderungen von GATWU:

  • Alle Leiharbeiter müssen direkt bei AD angestellt werden; auch diejenigen, denen seit Beginn des Konflikts im letzten Jahr gekündigt wurde.
  • Leiharbeiter dürfen nicht länger für dauerhafte Tätigkeiten eingesetzt werden.
  • AD muss aufhören, die Arbeit der GATWU zu behindern, und stattdessen ernsthaft mit ihr über die Lösung des Konflikts verhandeln.“

Der anhaltende Druck macht Eindruck auf das Management von Avery Dennison. Bei einem Treffen am 16. August hat das Unternehmen nun doch wieder eingewilligt, am ETI-moderierten Lösungsprozess teilzunehmen. Schaun wir mal ...