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ver.di fordert Textileinzelhandel auf, endlich Verantwortung …

Vorsitzender der Textilgewerkschaft NGWF aus Bangladesch in Deutschland

ver.di fordert Textileinzelhandel auf, endlich Verantwortung zu übernehmen

Im Rahmen des gemeinsamen Projekts ‚ExChains‘ der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und TIE Global (Frankfurt/Main) fanden in den vergangenen Tagen im Beisein von Amirual Haque Amin, dem Vorsitzenden der Gewerkschaft NGWF aus Bangladesch, zahlreiche Gespräche mit Betriebsräten und der Politik statt.

Bei einem Gespräch mit Markus Löning, dem Beauftragten der Bundesregierung für Menschenrechte, wies Amin darauf hin, dass in den letzten Jahren über 700 Menschen in Fabriken seines Landes bei Bränden zu Tode gekommen seien, die im großen Umfang für Textileinzelhändler auch in Deutschland produzierten.

Es bedürfe deshalb der Unterstützung für ein Internationales Brandschutzabkommen, wie es von den Firmen PVH und Tchibo unterzeichnet worden sei, so der Gewerkschafter aus Bangladesch. Auch bei den Entschädigungszahlungen an die Hinterbliebenen und vielen Verletzten bat Amirual Haque Amin die deutsche Politik, Einfluss auf die Auftraggeber zu nehmen. So weigert sich die Firma C&A noch immer, für die 115 Toten und Hunderten von Verletzten des Brandes vom September letzten Jahres bei Tazreen Fashion, die für C&A produziert haben, angemessene Entschädigungen zu bezahlen.

„Die Textilhändler tragen auch Verantwortung dafür, unter welchen Bedingungen ihre Produkte hergestellt werden. Durch den Beitritt zum Internationalen Brand-schutzabkommen kann das Sterben in den Textilfabriken in Bangladesch beendet werden“, unterstrich Johann Rösch, ver.di-Textilexperte und Mitinitiator des Projekts ‚ExChains‘.

Gleichzeitig forderte Rösch, dass die Ausbeutung der Beschäftigten in Bangladesch durch die Auftraggeber beendet und endlich faire Preise gezahlt werden müssten. „Wenn die deutschen Textilhändler in ihrer Kalkulation für jede Näherin im Monat zusätzlich 50 Euro berücksichtigen, würde das einzelne Produkt wie etwa das T-Shirt oder die Bluse lediglich 12 Cent mehr kosten. Das ist für die Händler ein lächerlicher Betrag, für die Beschäftigten aber ein großer Schritt aus der Armut.“

Bei einem Besuch des Gesamtbetriebsrates bei H&M am Mittwoch, den 24. April, bedankte sich der Gewerkschafter aus Bangladesch für die bisherige Unterstützung. Die Gesamtbetriebsräte von H&M und Zara hatten in einer gemeinsamen Erklärung ihre Unternehmen aufgefordert, endlich dem Brandschutzabkommen beizutreten.

„Nicht nur durch die zahlreichen Unterschriften der Beschäftigten, sondern auch durch öffentliche Aktionen vor den Filialen wird der Druck auf die beiden Unternehmen zunehmen“, betonte Michael Fütterer von TIE. Den Auftakt bildeten Straßentheater-Aktionen vor den Filialen von H&M und ZARA am vergangenen Samstag in Frankfurt. „Wir zeigen einer interessierten Öffentlichkeit, wie die Gewinne der beiden größten Textilkonzerne weltweit zu Lasten des Lebens und der Gesundheit der Beschäftigten in Bangladesch wachsen. Diese Aktionen werden wir in den nächsten Wochen in anderen Städten fortsetzen“, so Fütterer.