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Orangensaft: Zusammenarbeit für bessere Arbeitsbedingungen

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Orangensaft: Zusammenarbeit für bessere Arbeitsbedingungen

Internationale Solidarität zwischen Beschäftigten entlang der Orangensaft-Zulieferkette

Brasilien ist weltweit der größte Produzent von Orangensaft aus Konzentrat, Deutschland der zweitgrößte Abnehmer. Anbau und Verarbeitung werden von drei Konzernen dominiert. Die Arbeitsbedingungen auf den Plantagen sind vielfach sehr problematisch: Die Pflücker*innen sind fast ausschließlich Saisonarbeiter*innen aus dem Norden des Landes. Sie leben meist in Massenunterkünften. 10€ Lohn gibt es, wenn sie zwei Tonnen Orangen pro Tag schaffen. Vergiftungen durch Pestizideinsätze, aber auch Gesundheitsschäden durch hohen Akkord und schwere Säcke sind immer wieder an der Tagesordnung.

Seit 2015 arbeiten Betriebsräte von Rewe, Edeka und Kaufland zusammen mit ver.di, dem internationalen Netzwerk tie global in einem internationalen Saft-Netzwerk mit brasilianischen Gewerkschaften in Ernte und Verarbeitung zusammen, um diese Bedingungen zu ändern.

Es gab bereits Erfolge:
Durch die Initiative des Netzwerks ist es gelungen, dass erstmals eine Gewerkschaft der Landarbeiter ein Pilotabkommen über die Verbesserungen der Arbeitsbedingungen mit einem der drei größten Orangensaftproduzenten vereinbaren konnte. Gewerkschaftsvertreter*innen erhielten im Oktober erstmals freien Zugang zu den Beschäftigten einer Plantage. Vorschläge der Mitarbeiter zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen werden zwischen Unternehmen und Gewerkschaften diskutiert. Eine Ausweitung dieser Vorgehensweise auf weiteren Plantagen sowie auf Industriebetriebe und Zulieferer des Unternehmens sind geplant.

In Deutschland begrüßte u.a. REWE als großer Orangensaftabnehmer das Abkommen: „Die Einbeziehung der Beschäftigten bei der Entwicklung gemeinsamer Lösungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmen ist ein wichtiger Schritt für nachhaltige Arbeitsbedingungen auf den Plantagen“, erklärte Dr. Daniela Büchel, Bereichsvorstand Personal und Nachhaltigkeit der REWE-Gruppe.

ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger nannte das Abkommen „bahnbrechend, auch wenn noch viele weitere Schritte notwendig sind, um gesunde Arbeitsbedingungen, existenzsichernde Löhne und Gewerkschaftsrechte im brasilianischen Orangensaftsektor durchzusetzen.“

Mara Lira, Koordinatorin des Saftnetzwerks in Brasilien betont: „Das Beispiel zeigt, dass Veränderung möglich ist. Wir wollen Tarifverträge für bessere Arbeitsbedingungen mit allen großen Produzenten.“
Info: www.exchains.org/orange.php