ExChains

Strategischer Erfolg

ExChains

Strategischer Erfolg

ExChains-Nachrichten (05/2019)


GATWU erkämpft Anerkennung als Gewerkschaft der Beschäftigten von Avery Dennison!
Strategischer Erfolg internationaler Solidarität und lokaler Kampfbereitschaft in Bangalore

Seit fast zwei Jahren streiten die Beschäftigten von Avery Dennison im indischen Bangalore für die Anerkennung ihrer unabhängigen Gewerkschaft Garment and Textile Workers Union (GATWU) und für bessere Arbeitsbedingungen.

Das Unternehmen stellt Labels und RFID-Tags für die Bekleidungsindustrie her und ist ein wichtiger Zulieferer von Modekonzernen wie H&M und Primark. Jahrelang wurden dort illegal Leiharbeiter beschäftigt, die zu deutlich schlechteren Bedingungen arbeiten mussten als ihre festangestellten Kollegen. Hier konnte GATWU bereits Verbesserungen durchsetzen. Auch für die Festangestellten ist die Lage bei Avery Dennison alles andere als rosig: Arbeitshetze und krankmachende Bedingungen sind auch für sie alltäglich.

Was als Kampf für die Gleichstellung von Leiharbeitern und Festangestellten begonnen hatte, wurde zu einer Auseinandersetzung um die Anerkennung unabhängiger Gewerkschaften in der Textil- und Bekleidungsindustrie in Bangalore. In ihrem Kampf haben die Kolleg*innen einen wichtigen Teilerfolg erzielt: GATWU wurde nun von Avery Dennison als Interessenvertretung der Beschäftigten anerkannt und wird ab sofort gleichberechtigter Verhandlungspartnerin des Unternehmens in Tarifverhandlungen sein.

Zum allerersten Mal konnte damit eine unabhängige Gewerkschaft in der Textil- und Bekleidungsindustrie Bangalores einen Status als Verhandlungspartnerin erkämpfen!

Dieser Erfolg ist zweifach begründet: Zum einen hat sich GATWU auf die Arbeit an der Basis konzentriert. Indem sie gleichermaßen Leiharbeiter und Festangestellte organisiert hat, konnte sie die Stimmung im Betrieb zu ihren Gunsten wenden. Zum anderen hat internationale Solidarität durch Gewerkschafter*innen und Betriebsräte von H&M, Primark und ver.di zum Erfolg beigetragen.

Solidarische Aktionen im deutschen Einzelhandel zeigen Wirkung!

Betriebsräte bei Primark und der H&M-Gesamtbetriebsrat haben ihre Unternehmen in mehreren Protestbriefen aufgefordert, Druck auf ihren Zulieferer Avery Dennison auszuüben, damit er GATWU als Gewerkschaft der Beschäftigten und als Verhandlungspartnerin anerkennt. Gewerkschaftlich aktive Kolleg*innen bei Primark in Hannover haben mit Aktionen auf der Ladenfläche weiteren Druck aufgebaut.

Eigentlich hatte das Unternehmen geplant, die Konflikte vor Ort in Form einer Mediation ohne die Anerkennung der Gewerkschaft zu lösen. Aufgrund des lokalen und unseres internationalen Drucks jedoch sah es sich schließlich gezwungen, nachzugeben und die Gewerkschaft anzuerkennen. In den anstehenden Tarifverhandlungen sollen nun die offenen Fragen zu Löhnen, Arbeitsbedingungen und Gesundheitsschutz verhandelt werden.

Aus diesem Erfolg können wir für den gemeinsamen Kampf entlang der Zulieferkette lernen!

Die Solidaritätsaktionen von ver.di, Betriebsräten und Gewerkschafter*innen bei H&M und Primark haben die Verhandlungsposition unserer Kolleg*innen von GATWU gestärkt, ohne den lokalen Arbeitskampf zu ersetzen. Die Kolleg*innen vor Ort haben diesen Kampf selbst getragen, durch hartnäckige Aktionen im Betrieb und davor. Der gemeinsame Erfolg ist auch kein Schlusspunkt: Die Auseinandersetzung geht in den Tarifverhandlungen weiter.

Darauf können wir aufbauen: Sollten die Tarifverhandlungen ins Stocken geraten, werden unsere Kolleg*innen vor Ort die nächste Runde des Arbeitskampfes einläuten – und wir werden weitere Unterstützung organisieren.