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Starke Gewerkschaften verhindern potenzielle Tragödie

Nachrichten aus Bangladesch

Starke Gewerkschaften verhindern potenzielle Tragödie

exChains-Nachrichten (04/2017)
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Am 5. April stürzte ein Teil des 12-stöckigen Ananta Plaza in Dhaka ein. Zum Glück wurde niemand verletzt. Im Gebäude befinden sich die zwei Bekleidungsfabriken Ananta Fashion und Ananta Apparels Ltd, die unter den Bangladesh Accord für einen besseren Gebäude- und Brandschutz fallen. Beide Unternehmen produzieren für Inditex, H&M, GAP und next.

Ursache des Einsturzes waren unsachgemäß ausgeführte Bauarbeiten am Nachbargebäude. Die örtliche Gewerkschaft NGWF und die Arbeiterinnen in der Fabrik reagierten schnell: Die Beschäftigten verweigerten die Arbeit in dem beschädigten Gebäude und organisierten eine Sitzblockade vor der für die Fabriksicherheit zuständigen Abteilung des Arbeitsministeriums, um auf die lebensgefährliche Lage im Ananta Plaza und ihre Forderungen nach einem sicheren Arbeitsplatz aufmerksam zu machen. Die NGWF hat mit dem Management der Fabriken vereinbart, dass diese geschlossen bleiben, bis die notwendigen Arbeiten am Gebäude abgeschlossen sind. Dabei konnten sich die Arbeiterinnen und die NGWF auf den Bangladesh Accord berufen. Dieser regelt, dass die Arbeit an einem unsicheren Arbeitsplatz gestoppt werden muss. Erst wenn die Gefährdungsursachen beseitigt sind, darf die Arbeit wieder aufgenommen werden. Accord-Ingenieure hatten das Gebäude untersucht und bestätigt, dass die Fabriken geschlossen bleiben müssen. Die Beschäftigungsverhältnisse bestehen fort, Löhne werden fortgezahlt.

Die Abnehmer der in den Fabriken produzierten Bekleidung haben hier eine zentrale Verantwortung. Mit der Unterzeichnung des Accord haben sie sich dazu verpflichtet, die Voraussetzungen für die Einhaltung der Accord-Vorgaben zu schaffen und ihren Einfluss auf die Zulieferer entsprechend geltend zu machen.

Denn die Gewerkschaften machen häufig die Erfahrung, dass die Accord-Vorschriften von den Zulieferern nicht eingehalten werden. So versuchen die Fabrikbesitzer z.B. für die Lohnfortzahlung während der Schließungen für Instandsetzungsarbeiten mit den Gewerkschaften abweichende, für die Arbeiterinnen schlechtere Vereinbarungen auszuhandeln. Die NGWF und die Arbeiterinnen konnten das in diesem Fall verhindern.

Vertragswerke allein reichen nicht!
Starke Gewerkschaften sind nötig!