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Die Zeche für Billiglöhne sollen alle zahlen - Wir sagen NEIN!

AVE-Kampagne

Die Zeche für Billiglöhne sollen alle zahlen - Wir sagen NEIN!

Verdrängungswettbewerb eindämmen, Erwerbs- und Altersarmut bekämpfen

 
Paradiesische Zustände gibt es im Handel höchstens für die wenigen, die als Superreiche um die Spitzenplätze konkurrieren. Am anderen Ende ist Gefahr in Verzug: Schon heute müssen rund 150.000 Beschäftigte allein im Einzelhandel neben ihrem Lohn Hartz-IV-Leistungen beantragen, um irgendwie über die Runden zu kommen. Einen Anspruch darauf dürften noch viel mehr haben…

Tarifflucht und Dumpinglöhne im Zuge des ruinösen Verdrängungswettbewerbs der Konzerne, aber auch die Zerstückelung der Vollzeitarbeit z.B. in Mini-Jobs und geringfügige Teilzeit haben ein alarmierendes Ausmaß erreicht. Nur noch jede/r Dritte im Einzelhandel und jede/r Fünfte im Groß- und Außenhandel wird nach Tarif bezahlt, die übrigen Beschäftigten bekommen im Schnitt um 30 Prozent weniger.

Lohndumping stoppen und das Sozialsystem schützen

  • Das muss sich ändern. Wir brauchen wieder allgemeinverbindliche und existenzsichernde Tarifverträge, die für alle Beschäftigten und alle Unternehmen gelten. Nur so kann die Lohnspirale nach unten gestoppt werden, nur so können auch die Risiken für die Gesellschaft begrenzt werden.

Die mehr als fragwürdigen Ohne-Tarif-Mitgliedschaften für tariflose bzw. tarifflüchtige Unternehmen, die auf Arbeitgeberseite ab 2000 zugelassen wurden, müssen ein Ende haben. Der Unterbietungswettbewerb bei den Personalkosten, der den ruinösen Wettbewerb im Handel seit fast zwei Jahrzehnten prägt, muss aufhören.

  • Wir fordern den Arbeitgeberverband HDE auf, mit uns beim Gesetzgeber für eine Reform der Allgemeinverbindlichkeitserklärung (AVE) der Tarifverträge einzutreten.

Diese wichtige Maßnahme gegen Schmutzkonkurrenz muss erleichtert und es müssen annähernd gleiche Wettbewerbsbedingungen hergestellt werden.

Dumpinglöhne und/oder erzwungene Stundenreduzierungen sowie länger andauernde Kinderbetreuungszeiten führen vor allem für Frauen auf direktem Weg in die Altersarmut. Etwa 2,5 Millionen überwiegend weiblichen Handelsbeschäftigten droht nach Berechnungen von ver.di wegen zu niedriger Einkommen Altersarmut.

Wenn nicht schnell Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, wird die Erwerbsarmut von heute die Altersarmut von morgen sein – mit Auswirkungen, die keine Gesellschaft wegstecken kann.

  • Egal ob Online-Handel oder stationäres Geschäft: Geschäftsmodelle, bei denen die Entlohnung durch öffentliche Gelder mitfinanziert wird, müssen gestoppt werden.

Denn das Risiko, dass sich die staatlichen Unterstützungsleistungen für viel zu geringe Einkommen und Renten schnell auf dreistellige Milliardenbeträge belaufen, ist enorm hoch. Ein solches Ausbluten der öffentlichen Kassen greift den Sozialstaat und das gesellschaftliche Zusammenleben direkt an, es schwächt das Sozialsystem und belastet die Steuerzahler. Schon jetzt fehlen in vielen Städten und Gemeinden die Finanzen zur Sanierung von Schulen, Kitas, Schwimmbädern und Straßen.

Gleichzeitig führt der mit allen Mitteln geführte Verdrängungswettbewerb zu schlechterer Versorgung in strukturschwachen Regionen, weil Händler dort ebenfalls in die Pleite getrieben werden. Und auch die Gleichschaltung der Innenstädte durch die immer gleichen Ketten, von denen sich einige über staatliche Lohnsubventionierung die hohen Mietkosten mitfinanzieren lassen, bedeutet Verlust an Vielfalt, Kultur und Lebensqualität.

  • Ein wirksames Mittel gegen den Griff von Händlern in die Sozialkassen sind allgemeinverbindliche Tarifverträge, die die Entgelt- und Arbeitsbedingungen für die gesamte Branche festschreiben.

Jeder Euro mehr Entgelt verbessert die Existenzsicherung der Beschäftigten und ihrer Familien, schützt vorm Ruin des Sozialstaats.

Für existenzsichernde Einkommen:
Tarifstandards müssen überall gelten!