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Protestkundgebung und Demonstration an der Kaufland Zentrale …

Tarifstreit im Einzelhandel

Protestkundgebung und Demonstration an der Kaufland Zentrale in Neckarsulm

ver.di erwartet Hunderte von streikende Kaufland-Kolleginnen und Kollegen aus mehreren Bundesländern
3.6.2013: Warnstreik bei Kaufland Öhringen ver.di 3.6.2013: Warnstreik bei Kaufland Öhringen  – 3.6.2013: Warnstreik bei Kaufland Öhringen

Stuttgart, 26. Juni 2013 - Am morgigen Donnerstag, 27. Juni 2013, protestieren und demonstrieren vor der Kaufland-Zentrale in Neckarsulm mehrere hundert von im Streik befindlichen Kaufland-Beschäftigte aus mehreren Bundesländern gegen die unsoziale Tarifpolitik der Arbeitgeberverbände des Einzelhandels. Nach einer Streik-Kundgebung um 12 Uhr vor der Kaufland-Zentrale werden die Streikenden durch Neckarsulm demonstrieren.

Auf der Kundgebung spricht als Hauptrednerin das für den Handel zuständige Bundesvorstandsmitglied der Gewerkschaft ver.di, Stefanie Nutzenberger. Die Streikenden reisen aus ganz Baden-Württemberg, aber auch aus NRW, Rheinland-Pfalz, Saarland, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt und Bayern an.

Mit dieser gemeinsamen Aktion vor der Kaufland-Zentrale wollen die Streikenden ihren Konzernchefs zeigen, dass sie Lohn- und Gehaltsabsenkungen und die Streichung von Zuschlägen nicht hinnehmen werden. Insbesondere Kaufland betreibt seit vielen Jahren die von den Arbeitgeberverbänden geforderte Abgruppierung der Kassiertätigkeiten.

Die Kassiererinnen in Verbrauchermärkten und SB-Warenhäusern sind bisher aufgrund mehrerer Urteile des Bundesarbeitsgerichtes – die Kaufland allesamt verloren hat – in der Gehaltsgruppe III einzugruppieren. In der Praxis gruppiert Kaufland trotz dieser klaren Rechtsprechung nicht von sich aus korrekt ein, sondern erst wenn die betroffenen Kolleginnen die tariflich vorgesehene Eingruppierung geltend machen.

Die Abgruppierungsforderung des Arbeitgeberverbandes würde für die Kassiererinnen einen monatlichen Gehaltsverlust von bis zu 763 Euro bedeuten.

Kaufland steht auch hinter den Forderungen der Arbeitgeber nach Abgruppierung sogenannter „Hilfstätigkeiten“ wie Warenverräumung und Auffülltätigkeiten. Die von den Arbeitgebern geforderten neuen Leichtlohngruppen unterhalb der derzeit geltenden niedrigsten Tarifsätze würden für die betroffenen eine Absenkung der Stundenlöhne um rund 3 Euro bedeuten. Darüber hinaus sollen sie künftig keine Zuschläge für sozial ungünstige Arbeitszeiten in den Abend- und Nachtstunden mehr erhalten.

Dies sind, so die Gewerkschaft ver.di,  triftige Gründe für die Beschäftigen von Kaufland, morgen vor der Unternehmenszentrale ihren Chefs klar zu machen, dass diese Forderungen nicht akzeptiert werden. Bernhard Franke, ver.di-Verhandlungsführer in Baden-Württemberg dazu: „Die Arbeitgeber des Handels planen die Durchsetzung von Armutslöhnen im Handel. Dagegen wehren sich immer mehr Beschäftigte, streiken und gehen auf die Straße!“.

Hintergrund dieser Streiks ist der verhärtete Tarifkonflikt, in dem die Einzelhandelsarbeitgeber versuchen, Änderungen des Manteltarifvertrages und schlechtere Eingruppierungen zu erzwingen.

Während ver.di für die Beschäftigen im baden-württembergischen Einzel- und Versandhandel eine Lohn- und Gehaltserhöhung um einen Euro pro Stunde fordert, haben die Arbeitgeber als Tariferhöhung ab 1.7.2013 (also nach 3 Nullmonaten 2,5%) sowie weitere 1,5% ab 1.4.2014. angeboten. Sie  beharren jedoch darauf, dass zuerst über Manteltarif- und Strukturthemen verhandelt werden soll. Sie verlangen:

  • Niedrigere Eingruppierung für Kassiererinnen an Verbrauchermarktkassen
  • Streichung der Kassierzulage
  • Einführung einer neuen, niedrigeren Entgeltgruppe für „Hilfstätigkeiten“ wie Warenverräumung und Auffülltätigkeiten
  • Streichung der Spätöffnungs- und Nachtzuschläge für diese Tätigkeiten
  • Weitere Flexibilisierung der Arbeitszeiten
  • Streichung des Zuschlages für das Zuendebedienen nach dem Arbeitszeitende.

 Die Tarifverhandlungen werden voraussichtlich am 11. Juli in Korntal-Münchingen fortgesetzt.