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ZARA-Zulieferer missachtet auch in Indien Beschäftigtenrechte!

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ZARA-Zulieferer missachtet auch in Indien Beschäftigtenrechte!

exChains-Nachrichten (05/2017)
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Letzten Herbst in der Türkei, nun in Indien: Das Unternehmen Slam produziert Bekleidung u.a. für Zara/Inditex und macht nun an anderer Stelle wieder mit ganz ähnlichen beschäftigtenfeindlichen Praktiken von sich reden.

Im türkischen Bursa hatte Slam angebliche „Umstrukturierungen“ als Grund für die Entlassung von 8 gewerkschaftlich aktiven Beschäftigten geltend gemacht. Seltsam nur, dass gleichzeitig neu eingestellt wurde und die Entlassungswelle nur zentrale Gewerkschaftsaktivist_innen traf (vgl. ExChains-Nachrichten 11-2016).

Im indischen Bundesstaat Tamil Nadu hatte Slam zwei Fabriken, von denen eine vor einigen Monaten geschlossen wurde. Die Arbeiter_innen landeten auf der Straße.

In der verbleibenden Fabrik in Mahindra City mit 300 Beschäftigten, darunter 280 Frauen, die tlw. aus weiter entfernten Regionen in die Fabrik pendeln, gibt es eine lange Reihe von Missständen zu beklagen:

  • Der erhöhte gesetzliche Mindestlohn für die Bekleidungsbranche, der rückwirkend bis 2014 gezahlt werden muss, ist im Unternehmen nicht umgesetzt.
  • Sozialabgaben werden zwar vom Gehalt abgezogen, werden aber den Beschäftigten nicht auf ihre Sozialversicherungskonten gutgeschrieben.
  • Selbst die zu niedrigen Löhne werden häufig zu spät gezahlt.
  • Überstunden werden nicht bezahlt, stattdessen bekommen die Beschäftigten hin und wieder willkürlich je nach Auftragslage frei.
  • (Meist männliche) Aufseher schikanieren die (meist weiblichen) Beschäftigten
  • Gewerkschaftliche Organisierung wird nicht gerne gesehen, aktive Beschäftigte haben Angst vor Entlassung.
  • Alle Beschäftigten haben ständig Angst vor Fabrikschließung. Diese Angst wird vom Management geschürt.

Vor einigen Monaten hatte das Beschäftigtenkomitee der Fabrik der Geschäftsleitung ein Protestschreiben mit 20 konkreten Forderungen der Arbeiter_innen übergeben.

Das Unternehmen reagierte vordergründig positiv und versprach Besserung. Dann geschah aber lange nichts, oder die Wirkung beschäftigtenfreundlicher Neuregelungen wurden durch beschäftigtenfeindliche gleich wieder zunichte gemacht: z.B. wurde zwar der Grundlohn erhöht, gleichzeitig aber eine neue Transportgebühr wiederum vom Lohn abgezogen.

Schließlich streikten die Beschäftigten im April für 2 Tage, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Das Unternehmen reagierte mit der Entlassung von 50 Beschäftigten.

Nach harten Verhandlungen der Gewerkschaft GAFWU und einem weiteren mehrtägigen Streik im Mai wurde nun ein Abkommen mit dem Unternehmen erzielt. Damit werden Entlassene wieder eingestellt oder abgefunden, und das Unternehmen verspricht erneut, den zentralen Forderungen der Beschäftigten nachzukommen.

Fazit: Das Unternehmen Slam reagiert nur auf Druck! Ohne starke Gewerkschaften vor Ort würden die Arbeiter_innen angesichts solcher Machenschaften nie zu ihrem Recht kommen!

Auch Inditex/Zara muss diesem Zulieferer wirklich genau auf die Finger schauen, um die Einhaltung des eigenen Verhaltenskodex zu gewährleisten und Beschäftigtenrechte zu unterstützen.