Aktuell

Kein Rabatt auf unser Leben - Schluss mit Armut trotz Arbeit!

AVE-Kampagne

Kein Rabatt auf unser Leben - Schluss mit Armut trotz Arbeit!

Gegen Altersarmut, für Existenzsicherung jetzt!

 
Viele wissen es nicht, andere wollen es nicht wahrhaben: Armutslöhne und als Folge davon Armutsrenten sind im Handel weit verbreitet. Immer unverschämterer Reichtum und verschämte Armut bilden zwei Seiten einer Medaille.

  • Existenzielle Not trotz harter Arbeit, das darf nicht sein – diesem Skandal sagen wir als ver.di im Handel den Kampf an.

Die Fakten sprechen für sich: Während die zehn reichsten Händlerfamilien auf ein Privatvermögen von über 110 Milliarden Euro geschätzt werden, sind viele der Handelsbeschäftigten akut von Altersarmut bedroht. Kostensenkung um jeden Preis ist für viele Firmen der Kompass, um sich Vorteile zu verschaffen. Der Vernichtungswettbewerb, der durch superlange Öffnungszeiten und staatliche Flexibilisierung des Arbeitsmarktes noch zusätzlich angeheizt wird, fordert seine Opfer. Ganz besonders trifft das die Beschäftigten. Da geht es nicht mehr um die besten Konzepte oder Warenangebote, es geht schlicht um die billigsten Löhne.

Tarifflucht und das Unterlaufen der Tarifverträge haben ein Ausmaß erreicht, das eine Kehrtwende dringend erforderlich macht.

  • Mit unserer Kampagne »Einer für alle!« wollen wir dafür sorgen, dass die Tarifverträge wieder für ALLGEMEINVERBINDLICH ERKLÄRT werden und für alle gelten.

Die Situation ist dramatisch, obwohl der Arbeitgeberverband HDE pauschal behauptet, im Einzelhandel werde »gutes Geld« bezahlt. Seit die Unternehmer im Jahr 2000 eine Mitgliedschaft »ohne Tarifbindung« eingeführt haben, greifen Lohndumping und schlechte Arbeitsbedingungen um sich. Nur noch ein Drittel aller Beschäftigten im Einzelhandel genießt aktuell den Schutz des Tarifvertrages, im Groß- und Außenhandel gilt das nur noch für jede/n Fünfte/n.

Enorm zugenommen haben Mini-Jobs und andere prekäre Beschäftigung sowie unfreiwillige Teilzeit. Viele Arbeitsverhältnisse sind »zerstückelt« worden. Gerade noch etwa 30 Prozent sind Vollzeit und auch die werden mehrheitlich nicht tariflich entlohnt.

Schon die blanken Zahlen widerlegen das Gute-Geld-Argument: Wer als Vollzeit-Verkäuferin ein tarifliches Endgehalt von 2.471 Euro erhält (Beispiel NRW), würde nach 45 Berufsjahren ca.1.220 Euro Rente (brutto) bekommen. Das allerdings trifft auf kaum jemanden zu. Schon wenn in der Erwerbsbiografie z.B. wegen Betreuungszeiten 10 Jahre Teilzeit vorkommen, sinkt dieser Betrag auf ca. 1.000 Euro. Noch weniger wird es aber bei einer 0,7-Stelle, die heute im Einzelhandel für sehr viele Frauen der Normalfall ist: Dann reduziert sich die Rente auf nur noch ca. 850 Euro.

Als ob das nicht schon dramatisch genug ist: Die vielen untertariflich Bezahlten liegen noch weit unter diesem Niveau. Und die Zahl der Hartz-IV-Aufstocker steigt…

Das alles führt nicht nur zu Armut in Arbeit, sondern auch zu Armut im Alter. Nach Expertenberechnungen droht bis zu 2,5 Millionen Beschäftigten eine solche menschenunwürdige Situation, wenn nicht das Ruder herumgerissen wird. Es ist höchste Zeit, dass die Unternehmen im Handel und die politisch Verantwortlichen nicht länger die Augen vor diesem Skandal verschließen.

  • Wir wollen mit unserer Kampagne »Einer für alle!« die Arbeitgeberverbände veranlassen, sich nicht weiter gegen die Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge zu sperren, die bis zum Jahr 2000 prägend für die Branche war – bis die Unternehmer den Konsens mit uns aufkündigten und die Schleusen für Lohndumping öffneten.

    Unternehmen und die Politik sind in der Pflicht, hier endlich gegenzusteuern.
  • Die Allgemeinverbindlichkeitserklärung (AVE) der Tarifverträge durch das Bundesarbeitsministerium muss leichter möglich gemacht werden.

  • Prekäre Beschäftigung, die zu staatlicher Subventionierung durch Aufstockung führt, muss eingedämmt und abgeschafft werden.

Arbeitseinkommen und Renten dürfen nichtarm machen. Sie müssen für ein Leben in Würde und ohne Not reichen. Dafür kämpfen wir. Rabattabschläge haben in der Lohn- und Tarifpolitik keinen Platz.

Für existenzsichernde Einkommen durch gute Tarifverträge, die für alle gelten!