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Bodenverkehrsdienste: Bis zu 20 Prozent mehr

ver.di NEWS

Bodenverkehrsdienste: Bis zu 20 Prozent mehr

Ausgabe (05/2017)

  
Leitartikel:
Bodenverkehrsdienste: Bis zu 20 Prozent mehr
Erste Schritte in Richtung einer existenzsichernden Bezahlung

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Wer im Flugzeug sitzt, kurz vor dem Start, und sich auf die bevorstehende Reise freut, denkt meist nicht diejenigen, die gerade daran arbeiten, dass der Flieger sicher an sein Ziel kommt: an die Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste.Vermutlich sind einige von ihnen gerade dabei, die letzten Gepäckstücke so im Frachtraum zu verstauen, dass sie nicht verrutschen können. Andere sorgen dafür, dass ausreichend Kerosin an Bord ist. Und das sind nur zwei der Aufgaben, mit denen Bodenverkehrsdienstler mit dazu beitragen, dass Fliegen sicher bleibt.

Doch die Anerkennung, die sie für ihre meist auch körperlich schwere Arbeit im Schichtdienst bekommen, ist gering. Die Stundenlöhne liegen oft gerade mal über dem Mindestlohnniveau, die Verträge sind oft befristet und auf Teilzeit ausgelegt, damit der Arbeitgeber flexibler agieren kann. Kein Wunder also, dass die Kolleg/innen Anfang des Jahres mit viel Wut im Bauch in die jeweiligen Haus-Tarifverhandlungen gegangen sind. Da die Arbeitgeber höchstens minimale Angebote machten, kam es zu mehreren Warnstreiks an verschiedenen Flughäfen und mehrtätigen Streiks an den Berliner Flughäfen.

Der Erfolg: Bei Acciona in Frankfurt/Main erreichten sie mit 1,15 Euro mehr pro Stunde die höchste Tariferhöhung, die es dort jemals gegeben hat. In Düsseldorf gelang ein Schritt raus aus dem Niedriglohnsektor, in Hamburg stieg der Einstiegslohn von 9,09 Euro auf immerhin 10,76 Euro pro Stunde. Zwischen acht und 20 Prozent liegen die Steigerungen, die für Kolleg/innen an sechs deutschen Standorten bislang erreicht werden konnten. Das zuständige ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle spricht von „dringend notwendigen Schritten in Richtung einer existenzsichernden Bezahlung“.

Zersplitterte Tariflandschaft

Und bis zum Sommer stehen Verhandlungen an weiteren Flughäfen an. Dass es wieder Haustarifverträge für einzelne Gesellschaften sind, von denen es an einem Flughafen oft mehrere gibt, zeigt ein Problem der Branchen. Nach einer Liberalisierung durch die EU in den 1990er Jahren ist die Branche enorm zersplittert, die Konkurrenz wird meist durch Lohndumping und Arbeitsverdichtung auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen. Fluggesellschaften, die Flüge zu niedrigsten Preisen verkaufen, verstärken den Kosten- und Preisdruck auf die Bodenverkehrsdienste.

Um hier einen Riegel vorzuschieben, hat ver.di die Kampagne „Damit Fliegen sicher bleibt“ gestartet. Ziel ist ein allgemeinverbindlicher bundesweiter Tarifvertrag für die Branche. Er soll die hohe Qualität der Dienstleistungen, auskömmliche Gehälter, gemeinsame Qualifikationsstandards und gesundheitserhaltende Arbeitsbedingungen garantieren – damit alle beruhigt in den Flieger steigen können.

 
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