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Schläge statt Lohn!

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Schläge statt Lohn!

exChains-Nachrichten (08/2017)
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Mit dem koreanischen Unternehmen Haesong haben gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte schon seit längerer Zeit einen Konflikt um ausstehende Lohnzahlungen geführt. Diesen hat das Unternehmen nun eskaliert.

Der Konflikt begann damit, dass die Beschäftigten der Fabrik Haesong Corporation Ltd. in Gazipur die Auszahlung von nicht genommenen Urlaubstagen aus 2016 forderten. Als Antwort darauf schickte das Management Schläger los, um die Beschäftigten einzuschüchtern. Schließlich wurde 218 Arbeiter_innen gesetzwidrig gekündigt und die Fabrik auf unbestimmte Zeit geschlossen. Das Unternehmen machte auch keine Anstalten, den Beschäftigten die noch geschuldeten Löhne für März, April, Mai und Juni zu zahlen.

Deshalb protestierten die Beschäftigten am 20. Juni vor dem Arbeitgeberverband BGMEA sowie der zuständigen Arbeitsbehörde DIFE. Letztere verpflichtete den Fabrikeigentümer anschließend schriftlich dazu, alle noch ausstehenden Löhne am 4. Juli auszuzahlen, was jedoch nicht geschah. Stattdessen versprach das Unternehmen nun die Auszahlung für den 4. August. Nachdem auch dieser Termin ohne Auszahlungen verstrichen war, organisierte die Gewerkschaft NGWF am 16. August eine friedliche Sitzblockade vor der Fabrik. Dort schlugen schließlich gegen 13 Uhr angeheuerte Schläger zu. Sie prügelten auf die friedlich Protestierenden ein und verletzten rund 60 Arbeiter_innen und Gewerkschafter_innen, darunter auch die Generalsekretärin und die stellvertretende Vorsitzende der NGWF, Arifa Akter und Safia Parvin. Viele von ihnen mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Der NGWF-Organizer Jalil wurde sogar entführt und erst abends um 21 Uhr wieder vor dem Fabrikgebäude freigelassen. Viele weitere Aktivist_innen verbrachten den Rest des Tages auf der Polizeiwache, um Anzeige zu erstatten. Der zuständige Beamte weigerte sich allerdings, diese aufzunehmen.

Am 17. August hielt die NGWF eine Kundgebung in Dhaka ab, auf der sie forderte, dass die Verantwortlichen für die Gewalt zur Rechenschaft gezogen werden und die Beschäftigten alle ausstehenden Zahlungen erhalten.

Haesong und der Accord für Bangladesch

Haesong Corporation Ltd wurde als Zulieferer von H&M und Zara auch durch die Inspekteure des Accord kontrolliert, des gemeinsamen Programms vieler großer europäischer Käuferkonzerne zur Verbesserung von Brandschutz und Gebäudesicherheit in den Fabriken Bangladeschs.

Im Dezember 2016 haben die Inspektionen durch den Accord zu der Empfehlung an die globalen Käuferunternehmen geführt, Haesong keine weiteren Aufträge zu erteilen, da die geforderten Verbesserungen in der Fabrik vom Management nicht umgesetzt worden waren.

Es ist zu begrüßen, dass es mit dem Accord eine Initiative der Käuferunternehmen für sicherere Arbeitsbedingungen gibt. Die aktuellen Geschehnisse zeigen allerdings, dass solche Initiativen allein nicht verhindern können, dass die Beschäftigten zu Opfern von Ausbeutung, Misshandlung und Betrug durch die Unternehmen werden.

Die Arbeiterinnen und Arbeiter müssen die Möglichkeit haben, ihre Rechte mithilfe Gewerkschaften ihrer Wahl selbst durchzusetzen. Dieser Kampf der Beschäftigten selbst für ihre Rechte kann durch keine noch so gut gemeinten Initiativen zur Unterstützung von außen ersetzt werden !