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Verhandlungen über neue Entgeltstruktur: Wie wird künftig eingruppiert?

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Verhandlungen über neue Entgeltstruktur: Wie wird künftig eingruppiert?

WIR im Einzelhandel und Versandhandel BaWü (Tarifinfo 01/2017)
WIR im Einzelhandel und Versandhandel BaWü (Tarifinfo 01/2017) ver.di WIR im Einzelhandel und Versandhandel BaWü (Tarifinfo 01/2017)  – Wie wird künftig eingruppiert?

 
Mit den Tarifabschlüssen 2013 und 2015 wurde von Arbeitgebern und ver.di jeweils vereinbart, Tarifverhandlungen über eine umfassende Reform unserer Tarifverträge zu führen. Dabei geht es darum, das Eingruppierungssystem, das im Wesentlichen aus den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stammt, an die heutigen Erfordernisse anzupassen. Herauskommen soll dabei ein bundesweit einheitliches, diskriminierungsfreies Entgeltsystem für alle Tätigkeiten im Einzelhandel. Darüber sind sich die Tarifparteien einig.

Dass sich die Verhandlungen über eine Neuregelung trotzdem so lange hinziehen, liegt daran, dass bei diesem Thema die gegensätzlichen Interessen von Arbeitgebern und Gewerkschaft heftig aufeinander prallen:

Wir wollen mit dem neuen Entgeltsystem die Einkommen der Beschäftigten sichern und verbessern – die Arbeitgeber wollen die Gelegenheit nutzen, die Personalkosten weiter abzusenken.

Wir wollen, dass die vielfältigen Anforderungen an die Arbeit im Einzelhandel berücksichtigt werden und deshalb neben Qualifikation und Verantwortung auch körperliche, psychische und soziale Anforderungen mit in die Bewertung einfließen. Ausbildung soll sich auch zukünftig lohnen und deshalb einen besonderen Stellenwert bei der Eingruppierung behalten. Gleichzeitig soll wie bisher mehrjährige Berufstätigkeit einer Berufsausbildung gleichgestellt werden.

Eine neue Entgeltstruktur als Instrument zur Kostensenkung?
Das ist mit ver.di nicht zu machen!

Wie wird künftig eingruppiert?
In der letzten Verhandlung am 20. Dezember 2016 in Korntal-Münchingen stellten die Arbeitgeber ihr Modell für einen neuen Entgeltrahmen-Tarifvertrag vor. Dabei wurde deutlich, wie gegensätzlich die Positionen immer noch sind. Der Arbeitgeberentwurf zielt eindeutig darauf ab, einen großen Teil der Beschäftigten unterhalb der Entgeltgruppe, für die eine abgeschlossene Berufsausbildung erforderlich ist, eingruppieren zu können. Berufsausbildung wird entwertet – die Händler wollen nur die Qualifikation bezahlen, die in der überwiegenden Tätigkeit tatsächlich abgefordert wird. Und über die Gestaltung von Mischtätigkeiten entscheidet der Arbeitgeber allein. So kann z.B. aus der gelernten Verkäuferin ruck zuck eine „Hilfskraft“ werden, die überwiegend mit geringer bewerteten Tätigkeiten beschäftigt wird. Körperliche und psychisch-soziale Anforderungen sollen nur einen geringen Stellenwert („kleines Korrektiv“) bei der Entgeltfindung einnehmen.

Die ver.di-Verhandlungskommission hat deshalb massive Kritik an diesen Arbeitgeber-Plänen geübt. Die Verhandlungen werden fortgesetzt – ein konkreter Termin ist jedoch noch nicht vereinbart.

Das Tarifjahr 2017
Die Tarifrunde 2017 wirft ihre Schatten voraus: Neben den Verhandlungen über eine neue Entgeltstruktur, die in Baden-Württemberg, Hessen, Hamburg und SAT/Berlin geführt werden, gibt es in NRW Tarifverhandlungen über Arbeits- und Gesundheitsschutz und zur Gestaltung des demografischen Wandels sowie in Bayern über tarifliche Regelungen für gesundheitsförderliche Führung im Einzelhandel (Mehr bei www.handel.bawue.verdi.de). Und schließlich laufen Ende März die ersten Gehalts- und Lohntarifverträge aus. Deshalb beginnen jetzt die Diskussionen in den Betrieben und in den ver.di-Tarifkommissionen über die Entgeltforderungen, mit denen wir in diese Tarifrunde gehen wollen.