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Resolution der Betriebsrätekonferenz im Handel

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Resolution der Betriebsrätekonferenz im Handel

In den Tarifrunden des Jahres 2015 wollen wir für die Beschäftigten im baden-württembergischen Einzel- und Versandhandel sowie im Groß- und Außenhandel deutliche Verbesserungen der Realeinkommen erreichen.

14 Jahre hat es gedauert, bis Ende 2014 die durchschnittlichen Bruttolöhne je Beschäftigtem preisbereinigt erstmals wieder um 1,4 Prozent höher als im Jahr 2000 lagen. Erst die mit erheblichen Kraftanstrengungen erkämpften Tariferfolge der letzten 5 Jahre, in denen die Löhne real meist zulegten, haben die Verluste ausgeglichen, die in den 2000er-Jahren aufgelaufen waren. Schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen und die Deregulierung am Arbeitsmarkt hatten damals die Entwicklung der Arbeitseinkommen gebremst. Der Niedriglohnsektor wuchs. Am Tiefpunkt der Entwicklung im Jahr 2009 hatten die realen Bruttolöhne um 4,3 Prozent niedriger gelegen als 2000. Motoren dieser zuletzt positiveren Entwicklung der Arbeitseinkommen sind eindeutig die Tariflöhne und -gehälter, die deutlich stärker gestiegen sind: Sie waren 2014 real um 10,9 Prozent höher als im Jahr 2000.

Trotzdem bleibt ein erheblicher Nachholbedarf: Der Zuwachs der Einkommen aus Vermögen und Unternehmensgewinnen hat den der Arbeitseinkommen weit hinter sich gelassen: Von 2000 bis 2014 legten sie nominal um rund 60 Prozent zu. Die nominalen Arbeitnehmerentgelte wuchsen dagegen nur um knapp 33 Prozent.

Mitverantwortlich für diese Entwicklung ist die in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten erheblich gesunkene Tarifbindung, die ganz wesentlich dazu beigetragen hat, dass Steigerungen bei den Tariflöhnen nur zum Teil auf die Bruttoverdienste durchschlugen.

Deshalb gilt es auch weiterhin, die Flächentarifverträge in unseren Branchen zu verteidigen und sie weiter zu entwickeln. Wir kämpfen auch dafür, dass die von der Großen Koalition erweiterten Möglichkeiten, Tarifverträge allgemeinverbindlich zu erklären, konsequent angewendet werden.

Wir stellen fest, dass die gute wirtschaftliche Entwicklung in der Gesamtwirtschaft und auch im Einzelhandel und im Groß- und Außenhandel anhält: Die Wirtschaft boomt und die Unternehmen erwarten auch für das laufende Jahr gute Ergebnisse.

Durch ihre täglich gute Arbeit tragen die Beschäftigten zu den wirtschaftlichen Erfolgen maßgeblich bei. Dafür sollen sie nun auch einen angemessenen Anteil erhalten. Es ist an der Zeit, dass sie an den wachsenden Gewinnen aus dem anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung beteiligt werden. Kräftige Entgelterhöhungen werden sich förderlich auf die positive Konsumentwicklung und die Stabilisierung der Konjunktur auswirken. Insbesondere dem Handel wird eine stärkere Kaufkraft seiner Beschäftigten direkt wieder zugute kommen.

Auch die Auszubildenden dürfen von der Tarifentwicklung nicht abgehängt werden. Auszubildende sind unsere Zukunft; auf ihre Bereitschaft und ihren Willen, sich im Beruf aktiv einzubringen, sind wir dringend angewiesen. Sie haben es verdient, dass ihr Einsatz geschätzt und honoriert wird. Die Handelsunternehmen sind gut beraten, wenn sie endlich die Ausbildungsvergütungen an das in anderen Branchen übliche Niveau heranführen!

Auch wir Beschäftigten in unseren Dienstleistungsbranchen müssen von unserer guten Arbeit gut und auskömmlich leben können. Dumpinglöhne auf dem Rücken der Beschäftigten und auf Kosten der Gesellschaft sind keinesfalls akzeptabel. Deshalb wollen wir uns weiter dafür einsetzen, dass es künftig keine Tariflöhne unter 1850 € mehr gibt. Die Tatsache, dass rund 700.000 Einzelhandelsbeschäftigte vom neuen gesetzlichen Mindestlohn profitieren – obwohl es längst keine Tariflöhne unter 8,50 € mehr gibt – macht deutlich, dass gute Tarifverträge der beste Schutz gegen Armut und Altersarmut sind. Sie macht aber auch deutlich, wie notwendig es geworden ist, die tariflichen Standards durch Allgemeinverbindlichkeitserklärung in der Branche durchzusetzen.

Wir begrüßen es, dass ver.di-Forderungen für die Tarifrunden 2015 jeweils starke soziale Komponenten – ob als Festbetrag wie im Einzelhandel oder als Weiterentwicklung der betrieblichen Altersvorsorge wie im Groß- und Außenhandel – enthalten, um die Schere zwischen den unteren und den oberen Entgeltgruppen nicht weiter auseinanderklaffen zu lassen. Wir setzen uns dafür ein, die Flächentarifverträge in unseren Branchen zu verteidigen und wollen sie auch zukunftsfähig machen und weiterentwickeln. Deshalb unterstützen und begleiten wir die in beiden Branchen vereinbarten Verhandlungen über neue Entgeltstrukturen. Eine Verknüpfung dieser Verhandlungen mit der Lohn- und Gehaltsrunde 2015, wie sie sich die Einzelhandelsarbeitgeber vorbehalten, lehnen wir jedoch entschieden ab.

Wichtig für die Gestaltung zukunftsfähiger Tarifverträge ist auch, dass angesichts der demografischen Entwicklung tarifliche Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für gute und gesunde Arbeit von der Ausbildung bis zur Rente vereinbart werden. Wir werden die dazu vereinbarten Verhandlungen im Einzelhandel in NRW und in Bayern begleiten und unterstützen und diese Themen auch in den Groß- und Außenhandel tragen.

Wir Betriebsräte aus dem Einzelhandel und aus dem Großhandel werden mit allen Kräften dazu beitragen, dass die Flächentarifverträge im Handel verteidigt und die bevorstehenden Tarifverhandlungen im Sinne der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erfolgreich abgeschlossen werden. Erforderlichenfalls werden wir entschlossen gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen unterstützen, um die Durchsetzung unserer gemeinsamen Ziele zu erreichen.