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Aufgabe für 2018: Globale Prekarisierung gemeinsam bekämpfen!

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Aufgabe für 2018: Globale Prekarisierung gemeinsam bekämpfen!

exChains-Nachrichten (16/2017)
exChains-Nachrichten (12/2017) ver.di exChains-Nachrichten (12/2017)  – Globale Prekarisierung gemeinsam bekämpfen!

 
Arbeiter*innen an beiden Enden der globalen Zulieferkette in der Bekleidungsindustrie leben zwar in unterschiedlichen Umgebungen, machen aber ähnliche Erfahrungen. Das stellen wir bei Austauschen und in gemeinsamen Kämpfen im Rahmen des ExChains-Netzwerkes immer wieder fest. 2017 führt ein Thema die Hitliste der gemeinsamen Probleme entlang der Zulieferkette ganz klar an: die vom Profitstreben der Unternehmen diktierte Prekarisierung der Arbeits- und Lebensverhältnisse, also: Sichere Jobs werden ersetzt durch befristete, unsichere und schlechter bezahlte; ein planbarer Arbeitstag durch stundenweise Arbeit, Leiharbeit, Arbeit auf Abruf. So war der Missbrauch von Leiharbeit zentrales Thema der Gewerkschaft FTZ&GSEU in Sri Lanka auf ihrer Kundgebung zum Welttag für menschenwürdige Arbeit am 8. Oktober.

Beispiel Avery Dennison, Indien: Der Kampf der „Leih“arbeiter bei dem Bekleidungslabelhersteller in Bangalore, Zulieferer u.a. von H&M und Primark, um Gleichbehandlung mit ihren direkt bei Avery beschäftigten Kollegen spitzt sich weiter zu. Inzwischen sind 39 bei der Gewerkschaft GATWU aktive „Leih“arbeiter aufgrund dieses Kampfes gekündigt worden. Die Beschäftigten fordern von Avery Dennison nach wie vor:

  • 1. alle Kündigungen zurücknehmen
  • 2. alle Beschäftigten unbefristet direkt übernehmen
  • 3. gleicher Lohn für gleiche Arbeit
  • 4. Diskriminierung beenden
  • 5. Union Busting beenden.

Die Forderungen der indischen Kollegen haben auch der Betriebsrat von Primark in Hannover sowie der GR von H&M unterstützt. Sie haben ihren Unternehmen in Briefen vorbuchstabiert, dass die Ungleichbehandlung der schon jahrelang ununterbrochen für Avery Dennison tätigen „Leih“arbeiter gegen die jeweiligen Unternehmenskodizes verstößt, und sie aufgefordert,
sich bei ihrem Zulieferer für die Forderungen von GATWU und den Beschäftigten stark zu
machen.

Seit dem 18. Dezember verweigern die protestierenden „Leih“arbeiter die Mahlzeiten während ihrer Schichten und halten stattdessen zu den Essenszeiten Sitzstreiks in der Kantine ab. Ihr Arbeitgeber, die Leiharbeitsfirma Sri Udyog hat sie aufgefordert, das zu unterlassen: Die Verweigerung der Mahlzeiten stelle eine Gefährdung des eigenen Wohls und ein Sicherheitsrisiko für alle Beschäftigten in der Fabrik dar.

Beispiel H&M, Deutschland: Bei H&M hat die Behandlung der Beschäftigten in den Stores 2017 deutschlandweit einen neuen Tiefpunkt erreicht. Im Visier sind dabei vor allem aktive Betriebsrät*innen, deren Arbeit zu einem großen Teil darin besteht, für verlässliche Arbeitsverhältnisse zu sorgen und der Prekarisierung einen Riegel vorzuschieben. Der Versuch, sie zu behindern und loszuwerden, kommt in vielen Formen daher: Sie werden als „Standortgefährder“ bezeichnet und mit Schließungen gedroht; es werden Aufhebungsverträge und Abfindungen angeboten, im „besten“ Fall rutschen die Zahlen damit unter die gesetzliche BR-Grenze; auf BR-Mitglieder wird psychischer Druck ausgeübt, um sie zu zermürben und zur Aufgabe zu bewegen.

Neues Prekarisierungs-Highlight 2017: H&M fühlt sich für seine Beschäftigten nicht mehr verantwortlich: Wurden bislang betriebsbedingte Kündigungen vermieden und bei Schließungen der Wechsel in einen möglichst nahegelegenen Store ermöglicht, wird Beschäftigten neuerdings mitgeteilt, sie hätten nun Zeit, sich neue Stellen zu suchen, denn man könne sie innerhalb des Unternehmens nicht mehr in der Nähe unterbringen. Der Nachweis dafür bleibt aus. Lagertätigkeiten aus Hamburg werden in die Niederlande verlagert, wo die Steuern niedrig und die Organisierungsraten der Beschäftigten schwach sind.

Das große Distributioncenter in Großostheim wird 2018 geschlossen, dafür ist ein neues in den Niederlanden entstanden.

Ein deutscher Betriebsrat von H&M wendet seine Enttäuschung über den Arbeitgeber, mit dem er sich einstmals identifiziert hatte, in eine kämpferische Ansage: „H&M, für uns ist es klar geworden, du hast uns im Stich gelassen! Aber wir werden solange dafür kämpfen, dabei zu bleiben, wie es geht... Los wirst du uns nicht und wenn doch, werden wir dafür sorgen, dass die Menschheit erfährt, was für ein übles Spiel du mit uns getrieben hast... wir sind auf Augenhöhe und haben uns Respekt und anständige Behandlung verdient!“