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Schluss mit dem Vernichtungswettbewerb!

AVE-Kampagne

Schluss mit dem Vernichtungswettbewerb!

Informationen zur Kampagne "Einer für alle"

 
Vielfalt, Wettbewerb, Erlebnisshopping – davon ist gern die Rede, wenn Händler ihre Glitzerwelt beschreiben. Die Wirklichkeit sieht meist brutal anders aus. Denn zwischen ihnen gibt es eine Konkurrenz, die für viele und meist weibliche Beschäftigte Einkommens- und Altersarmut bedeuten: Es herrscht Vernichtungswettbewerb.


Der Kampf um Marktanteile und Profit wird mit allen Mitteln ausgetragen. Unfreiwillige Teilzeit, Minijobs, Dumping und eine starke Tarifflucht zeigen beispielhaft, wem die meisten Lasten aufgebürdet werden.

  • Dem Vernichtungswettbewerb müssen Schranken gesetzt werden – dafür wollen wir als ver.di im Handel jetzt mit unserer Kampagne »Einer für alle!« Druck machen.

  • Unser Ziel: Die Tarifverträge müssen wieder für ALLGEMEINVERBINDLICH ERKLÄRT werden. Dann gelten sie für alle Unternehmen und alle Beschäftigten!

Kein Monopoly, sondern bitterer Ernst

Im Handel geschieht etwas, das ein wenig nach Monopoly riecht, jedoch bitterer Ernst ist: Die Unternehmen bedienen alle Register, um ihre »Mitbewerber« aus dem Markt zu drängen. Dass dabei sogar sehr prominente Namen auf der Strecke bleiben, zeigen u.a. Hertie, Praktiker, Quelle, Neckermann und – bestimmt nicht zuletzt – Kaiser´s und Tengelmann. Die Konzentration schreitet voran.

Preiskriege und Rabattschlachten prägen die Branche ebenso wie ein sehr starker Druck auf die Personalkosten. Mit Leistungswettbewerb hat das nichts zu tun. Extrem ausgeweitet wurden in den letzten 20 Jahren sowohl die Verkaufsflächen als auch die Öffnungszeiten – eine im selben Maße gestiegene Kaufkraft fehlt jedoch.

Viele Pleiten sind darauf zurückzuführen, dass die Inhaber einer immer längeren Ladenöffnung der Konkurrenz nicht standhalten können. Und diese Waffe wird gezielt eingesetzt. Als scharfes Schwert müssen auch die Billigpreise herhalten. Geben die einen plötzlich »20 Prozent Rabatt auf alles«, ziehen andere sofort nach. Da zählt nur dies: Lieber den »Wettbewerber« ausschalten als selbst ausgeschaltet zu werden.

Entlang der gesamten Lieferkette setzen große Unternehmen ihre Nachfragemacht ein, um supergünstige Einkaufskonditionen zu erpressen. Die Hersteller müssen Nachlässe fast ohne Ende einräumen, Mittelständler in Handel und Industrie können bei den Preisen nicht oder nur schwer mithalten.

Statt Verdrängung im Handel: Existenzen absichern

Vor allem wird dieser zerstörerische Wettbewerb auf dem Rücken der Belegschaften ausgetragen. Nur noch etwa 30 Prozent der Branche sind tarifgebunden. Selbst nach Angaben der Bundesregierung bekommt mehr als ein Drittel der rund 3 Millionen Beschäftigten im Einzelhandel nur Niedriglöhne. Diese Spirale nach unten wollen wir als ver.di im Handel stoppen – auch durch allgemeinverbindliche Tarifverträge, an die sich alle Händler halten müssen.

Die Tarifflucht grassiert seit dem Jahr 2000, weil die Arbeitgeberseite eine Verbandsmitgliedschaft »ohne Tarifbindung« eingeführt hat. Zudem rückte sie von der Allgemeinverbindlichkeitserklärung (AVE) der Tarifverträge ab, für die bis dahin Arbeitgeber und Gewerkschaften gemeinsam eingetreten waren. Vereinbarungen, die für alle galten, gehörten so sehr schnell der Vergangenheit an.

Wir fordern die Arbeitgeberverbände und die Politik auf: Die Tarifabschlüsse müssen verbindlich auch in Unternehmen gelten, die noch nie tarifgebunden waren – Amazon, Zalando und viele mehr – oder die aus dem Tarif geflüchtet sind.

FÜR EXISTENZSICHERUNG DURCH GUTE UND GESUNDE ARBEIT.
DER HANDEL BRAUCHT TARIFVERTRÄGE, DIE FÜR ALLE GELTEN!