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Stopp Ausbeutung durch angebliche "Leiharbeit"!

Nachrichten aus Indien

Stopp Ausbeutung durch angebliche "Leiharbeit"!

exChains-Nachrichten (12/2017)


Wenn Beschäftigte sich gewerkschaftlich organisieren, um für ihre Rechte zu kämpfen, reagieren Unternehmen häufig reflexartig mit Schikanen und dem Versuch, die Unbequemen loszuwerden. So auch Avery Dennison Pvt. Ltd. in Bangalore, wir haben in Nr. 10 der ExChains-Nachrichten darüber berichtet.

Im Unternehmen sind zahlreiche Arbeiter_innen seit 1 bis 12 Jahren ununterbrochen tätig, aber dennoch nicht direkt, sondern bei Leiharbeitsfirmen angestellt. Sie wollen nun die zahlreichen gesetzeswidrigen Diskriminierungen gegenüber den regulären Avery-Beschäftigten nicht weiter hinnehmen und fordern gleiche Bedingungen für gleiche Arbeit und eine Direktanstellung.

Das Unternehmen hat darauf mit Kündigungen von gewerkschaftlich aktiven Leiharbeitern reagiert, wogegen die Gewerkschaft GATWU protestiert und Gespräche gefordert hat. Darauf hat sich Avery zum Schein eingelassen, scheint tatsächlich aber auf Zeit zu spielen, denn mehrere gemeinsame Termine sind inzwischen geplatzt -- während gleichzeitig Leiharbeiter_innen in der Fabrik keine Arbeit oder niederwertigere Arbeit als bisher zugewiesen bekommen.

Immer wieder werden außerdem ausgewählte Leiharbeiter_innen morgens nicht mehr auf das Fabrikgelände gelassen und dort vor dem Fabriktor mündliche Kündigungen ausgesprochen, zuletzt gegen je 6 Beschäftigte am23. und am 25. Oktober.

Die GATWU hat die Abnehmer von Avery Dennison, u.a. H&M und Inditex/Zara, über den Konflikt informiert. Sie möchte die Abnehmer in die gemeinsamen Gespräche einbeziehen, da die Praxis des Missbrauchs von „Leiharbeit“ als Dauerlösung gegen Beschäftigtenrechte nicht nur massiv gegen das indische Arbeitsrecht verstößt, sondern auch gegen sämtliche Unternehmenskodizes der Abnehmer.

Die Diskriminierungen der Leiharbeiter_innen beinhalten u.a.:

  • 1. Sie dürfen keine freien Tage nehmen, bekommen sie aber dennoch vom Lohn abgezogen: Das ist Lohndiebstahl.
  • 2. Sie erhalten keine Arbeitsverträge.
  • 3. Die meisten sind als Hilfskräfte eingestellt und eingruppiert, arbeiten aber als Maschinenbediener.
  • 4. Sie erhalten weniger Lohn und Zusatzleistungen als direkt angestellte Beschäftigte.
  • 5. Sie haben schlechtere Arbeitsbedingungen als direkt Angestellte, z.B. haben sie nicht in gleichem Maße Zugang zu Arbeitsschutzvorrichtungen.

Dass diese Ungleichbehandlung auch gegen den Unternehmenskodex von Primark verstößt, hat dem Unternehmen sein Betriebsrat in Hannover in einem Brief über die Vorfälle bei Avery Dennison in Bangalore vorbuchstabiert und es aufgefordert, sich bei dem Zulieferer für die Forderung der GATWU stark zu machen: nämlich die betroffenen Beschäftigten direkt beim Unternehmen einzustellen und damit dem gesetzeswidrigen Missbrauch von „Leih“arbeitsverträgen ein Ende zu machen.