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Der Kampf gegen Prekarisierung dauert an

Nachrichten aus Indien

Der Kampf gegen Prekarisierung dauert an

exChains-Nachrichten (04/2018)


Seit Oktober 2017 kämpfen „Leiharbeiter“ bei Avery Dennison gemeinsam mit ihrer Gewerkschaft GATWU in Bangalore gegen ihre Diskriminierung durch das Unternehmen, das Kleidungsetiketten für Primark, H&M, Inditex und viele andere Modekonzerne herstellt (wir haben schon mehrfach darüber berichtet).

Problem: Die Arbeiter sind über Leiharbeitsfirmen beschäftigt, obwohl sie mehrheitlich bereits jahrelang ohne Unterbrechung und jeweils dauerhaft am selben Arbeitsplatz bei Avery Dennison tätig sind. Für solch kontinuierlichen Einsatz ist Leiharbeit in Indien aber gar nicht legal - vielmehr nur dort, wo kurzfristig saisonale Auftragsspitzen abgefangen werden müssen. Deswegen fordern die Beschäftigten, direkt von Avery Dennison angestellt zu werden. Die Leiharbeiter erhalten für die gleiche Arbeit weniger Lohn als ihre direkt angestellten Kollegen und sind darüber hinaus auch noch zu niedrig eingruppiert; sie üben also höherwertige Tätigkeiten für niedrigere Löhne aus. Auch damit verstößt Avery Dennison gegen geltendes Recht.

GATWU hat Avery Dennison zu Verhandlungen aufgefordert. Stattdessen hat das Unternehmen den Einsatz der gewerkschaftlich organisierten Leiharbeiter beendet.

Der Primark-Betriebsrat in Hannover hatte bereits zwei Briefe an seine Geschäftsleitung geschrieben mit der Aufforderung, Druck auf ihren Zulieferer auszuüben, damit Avery Dennison ernsthaft mit GATWU verhandelt, die Kündigungen zurücknimmt und die Forderungen der Leiharbeiter erfüllt. Schließlich verstößt Avery Dennison mit seinem Verhalten auch gegen den Verhaltenskodex für Primark-Zulieferer. Bislang erleben wir die Geschäftsleitung von Primark als an einer Lösung des Konflikts interessiert, was wir sehr begrüßen.

Nun hat der BR bei Primark in einem dritten Brief noch einmal nachgelegt: Avery Dennison hatte zuvor erklärt, die Forderungen von GATWU und den Leiharbeitern seien nicht gerechtfertigt. Unsere Nachforschungen haben allerdings das Gegenteil ergeben: Noch immer verhält sich Avery Dennison gesetzwidrig und verstößt in mehreren Punkten gegen den Primark-Verhaltenskodex. An einer echten Lösung des Konflikts scheint der Zulieferer nicht interessiert zu sein. Stattdessen sieht es so aus, als sollten lediglich die Abnehmer beruhigt und der Anschein gewahrt werden, alles sei in Ordnung.

Gleichzeitig wird inzwischen der Druck auf die entlassenen Beschäftigten erhöht, von ihren Forderungen Abstand zu nehmen und sich stattdessen neu bei Avery Dennison zu bewerben - ohne jegliche Garantie, dann auch wirklich eingestellt zu werden. Solch ein Verhalten können die Abnehmer nicht auf sich beruhen lassen, schließlich liegen hier eine Reihe von Rechtsbrüchen und Verstößen gegen die eigenen Verhaltenskodizes vor!

Der Primark-BR fordert sein Unternehmen auf, sich weiter aktiv für eine Lösung einzusetzen: Es soll Druck auf Avery Dennison ausüben, damit echte Verhandlungen zwischen GATWU und dem Management geführt, die Arbeitsrechtsverstöße abgestellt, die Forderungen der Leiharbeiter erfüllt und die Rechte Gewerkschaftsmitglieder und ihrer Gewerkschaft gewahrt werden.