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Weihnachten wird mit Tarif erst schön: Der Rest des Jahres auch!

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Weihnachten wird mit Tarif erst schön: Der Rest des Jahres auch!

Information für die Beschäftigten von Karstadt Warenhaus (November 2015)
Karstadt-Info vom November 2015 ver.di Karstadt-Info vom November 2015  – Weihnachten wird mit Tarif erst schön

Nach über 2 Jahren Tarifflucht wollen wir endlich einen Tarifvertrag

In der vorigen Woche trafen sich die Mitglieder der Bundestarifkommission von Karstadt mit der Arbeitgeberseite zu Tarifverhandlungen. Nach 2,5 Jahren Tarifflucht war das Ziel auf unserer Seite schnell klar: Die Beschäftigten brauchen endlich wieder das Recht auf Tarifbindung. Selbst die Arbeitgeber hatten am Tag der Tarifflucht im Mai 2013 noch gesagt, dass sie die Tariferhöhungen für drei Jahre einsparen wollen. Dann sollte es wieder in Stufen zurück in die Tarife gehen. Aber was kümmert einen Arbeitgeber schon sein Geschwätz von gestern?

Das wird an einem anderen Beispiel noch deutlicher: Im Mai 2013 kannte der Arbeitgeber auch noch die Rechtslage. Deshalb war damals schnell klar, dass alle Beschäftigten trotz der Tarifflucht weiter Anspruch auf das Urlaubs- und das Weihnachtsgeld haben. Nicht als Gnadenakt, über den die Geschäftsleitung entscheidet, sondern als fester Rechtsanspruch. Wer die Presse in der letzten Woche gelesen hat, der musste den Eindruck bekommen, dass dieses Recht heute bei den Herren vergessen ist. Da wird diese wichtige Zahlung als großzügige Anerkennung für die Beschäftigten vereinnahmt – ohne ein Wort darauf zu verlieren, dass dieses Geld tarifvertraglich garantiert ist.

Eines ist richtig: Die Beschäftigten leisten jeden Tag super Arbeit und haben endlich eine echte Anerkennung verdient: Das Recht auf volle Tarifbindung.

Den Beschäftigten seit über 2,5 Jahren Monat für Monat Geld wegzunehmen, das ist keine Anerkennung für gute Arbeit. Im Gegenteil. Und wie soll man es bezeichnen, wenn Karstadt als Verhandlungsziel nennt, den Beschäftigten noch tiefer in die Tasche greifen zu wollen? Denn das wurde uns in der letzten Verhandlung als Arbeitgeberforderung benannt: Allen Kolleginnen und Kollegen soll ab 2016 ihr Rechtsanspruch auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld genommen werden. Das ist mehr als eine Frechheit.

Wir erwarten, dass es endlich wieder zurück in die Tarifbindung geht. Die Beschäftigten von Karstadt machen jeden Tag genauso gute Arbeit wie ihre Kolleginnen und Kollegen in anderen Warenhausunternehmen. Warum bekommen sie dann heute rund 150 Euro im Monat weniger?

Die Geschäftsleitung lässt sich aktuell dafür in der Presse feiern, dass es mit Karstadt wieder bergauf geht. Ohne die gute Arbeit im Verkauf und in der Verkaufsvorbereitung wäre dies nicht möglich. Und mit dem Einkommensklau bei den Beschäftigten muss deshalb jetzt Schluss sein. 2013 teilte die damalige Geschäftsleitung mit, dass die Tarifflucht auf drei Jahre begrenzt sein soll.

Wir nehmen Sie beim Wort, meine Herren. Vereinbaren Sie mit der Bundestarifkommission jetzt endlich konkrete Schritte zur Standort- und Beschäftigungssicherung und zur Rückkehr in die Tarifbindung.

Dazu werden am 1. Dezember die nächsten Verhandlungen geführt. Dabei ist heute schon eines klar: Gibt es dort keine Lösungen und hält Karstadt weiter an den Plänen zum Urlaubs- und Weihnachtsgeld-Klau fest, dann wird Weihnachten dieses Jahr heiß.

MEINE TARIFRECHTE BEI KARSTADT

Auch wenn Karstadt seit Mai 2013 aus den Tarifverträgen der Bundesländer geflüchtet ist, bedeutet das nicht, dass die Beschäftigten seither ohne Tarifansprüche sind. Das Zauberwort hier heißt Nachwirkung: Alle Beschäftigten, die zum Zeitpunkt der Tarifflucht schon bei Karstadt beschäftigt waren, haben Anspruch auf die Regelungen der Tarifverträge, die damals gegolten haben. Hört sich kompliziert an, bedeutet aber konkret: Wer vor dem 13. Mai 2013 bereits Beschäftigter war, hat Anspruch auf alle Tarifverträge, die an diesem Tag rechtsgültig waren. Also auf die Manteltarifverträge, die Tarifverträge zu den Sonderzahlungen und auf die Entgelte von 2013. Geht es um die tariflichen Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld ist also niemand bei Karstadt auf die Gnade der Geschäftsleitung angewiesen, sondern alle haben ein Recht darauf. Mit einer kleinen Einschränkung: Tarifverträge verhandelt ver.di für seine Mitglieder!