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ver.di präsentiert eigene Vorschläge

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ver.di präsentiert eigene Vorschläge

WIR im Einzelhandel und Versandhandel BaWü (Tarifinfo 01/2018)


Verhandlungen über neue Entgeltstruktur

Am 22. Januar 2018 wurden die mit den Tarifabschlüssen 2013 und 2015 von Arbeitgebern und ver.di jeweils vereinbarten Tarifverhandlungen über eine Reform des Eingruppierungssystems im Einzelhandel fortgesetzt. Gemeinsames Ziel der Tarifparteien ist dabei, ein bundesweit einheitliches, diskriminierungsfreies Entgeltsystem für alle Tätigkeiten im Einzelhandel zu vereinbaren. Bei diesem Thema prallen die gegensätzlichen Interessen von Arbeitgebern und Gewerkschaft heftig aufeinander: Wir wollen mit dem neuen Entgeltsystem die Einkommen der Beschäftigten sichern und verbessern – die Arbeitgeber wollen die Gelegenheit nutzen, die Personalkosten weiter abzusenken.

Die ver.di-Verhandlungskommission präsentierte den Arbeitgebern die Vorschläge für ein neues Entgeltsystem, auf die sich eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Tarifkommissionen der verschiedenen Tarifgebiete bisher verständigt hat. Nach diesen Vorschlägen sollen künftig die vielfältigen Anforderungen an die Arbeit im Einzelhandel berücksichtigt werden und deshalb neben Qualifikation und Verantwortung auch körperliche, psychische und soziale Anforderungen mit in die Bewertung einfließen. Die Tarifparteien sollen im Tarifvertrag alle wichtigen Stellen im Einzel- und Versandhandel systematisch beschreiben und beispielhaft bewerten. Damit soll im Betrieb eine transparente und einfach handhabbare, summarische Eingruppierung durch Vergleich mit den (noch festzulegenden) Richtbeispielen möglich sein.

Was bleiben soll!

ver.di will im neuen Entgeltrahmentarifvertrag bewährte Regelungen der bisherigen Eingruppierung erhalten, dazu gehört insbesondere:

  • Ungelernte sollen nach drei Jahren im Verkauf in die Gehaltsgruppe der Gelernten eingruppiert werden (sog. "Durchstieg");
  • Beschäftigte an der Kasse dürfen nicht schlechter bezahlt werden als Verkäufer/-innen;
  • Ausbildung soll sich auch zukünftig lohnen.

Was sich ändern soll!

Anders als bisher sollen nicht nur Ausbildung, Kenntnisse und Personalverantwortung bei der Bewertung von Tätigkeiten berücksichtigt werden. Neben Fachkenntnissen, Organisationsaufgaben, ständiger Aufmerksamkeit bei der Arbeit sollen beispielsweise kommunikative Fähigkeiten im Umgang mit Kunden, Lieferanten und ArbeitskollegInnen sowie die Zusammenarbeit mit anden. Darüber hinaus soll nicht bloß die Verantwortung für Personal (Führung), sondern auch die für Geld- und Sachwerte, Gesundheit und Datensicherheit sowie für Umsatz, Betriebskosten und -ergebnis in die Beurteilung der Tätigkeit einfließen. Schließlich dürfen körperliche Belastungen durch Heben und Tragen, einseitige Haltung und eintönige Bewegungen bei der Arbeit sowie Umgebungseinflüsse wie Kälte, Hitze und Feuchtigkeit nicht unbeachtet bleiben.

Zudem sollen Ungerechtigkeiten beendet werden, die auf "Geschlechterdiskriminierung" zurückzuführen sind. Ein Beispiel aus dem jetzigen System:

  • Ein gelernter Metzger in Vollzeit erhält nach der Lehre einen Bruttolohn von 2.461 €, der sich innerhalb von 4 Jahren auf 2.840 € steigert;
  • eine Einzelhandelskauffrau in Vollzeit bekommt nach der Ausbildung ein Gehalt von 1.993 € und erreicht drei Jahre später die Endstufe 􀁑it 2.528 €.

Es gilt nun, die Arbeitgeber von der Richtigkeit und Notwendigkeit der genannten Ziele zu überzeugen. Ein neuer Verhandlungstermin wurde noch nicht vereinbart.

Fest steht: Eine neue Entgeltstruktur als Instrument zur Kostensenkung ist mit ver.di nicht zu machen!

Die Große Tarifkommission Baden-Württemberg befasste sich am 1. März mit dem vorliegenden ver.di-Entwurf für ein neues Entgeltsystem und sprach sich einmütig für die Fortsetzung des eingeschlagenen Wegs aus.