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Karstadt: Tarifverträge werden nicht auf Sand gebaut!

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Karstadt: Tarifverträge werden nicht auf Sand gebaut!

Information für die Beschäftigten von Karstadt Warenhaus (Dezember 2015)
Karstadt-Info vom 04.12.2015 ver.di Karstadt-Info vom 04.12.2015  – Tarifverträge werden nicht auf Sand gebaut!

Bei den Tarifverhandlungen zur Tarifrückkehr von Karstadt am letzten Dienstag und Mittwoch ist deutlich geworden, dass die Arbeitgeber konkret werden, wenn es ums Nehmen geht: Erneut haben sie deutlich gemacht, dass sie in den nächsten drei Jahren keine Tariferhöhung zahlen wollen. Darüber hinaus wollen sie in dieser Zeit das Urlaubs- und Weihnachtsgeld aller Beschäftigten einkassieren. Und das, obwohl dieses Geld wichtig ist, um beispielsweise Versicherungen und andere Rechnungen zahlen zu können. Nichts also, worauf man freiwillig verzichten kann. Und für ver.di-Mitglieder kommt ein Verzicht ohnehin nicht in Frage, denn sie haben trotz Tarifflucht von Karstadt weiterhin einen Rechtsanspruch darauf.

Gerade eben noch sehr konkret beim Griff in die Taschen der Beschäftigten, werden die Arbeitgeber schlagartig völlig unkonkret, wenn es ums eigene Geben geht. So haben wir auf unsere Frage, wann es denn ihrer Auffassung nach wieder 100 Prozent Tarif geben soll, keine echte Antwort bekommen. Nicht einmal auf die Frage, ob sie denn an ihre eigenen Zusagen glauben, haben wir eine eindeutige Bestätigung bekommen.

Um es zu verdeutlichen: Die Arbeitgeberseite fordert von den Beschäftigten, dass sie jetzt noch einmal für drei weitere Jahre auf Tarifbezahlung verzichten. Fünf Jahre Tarifflucht ab 2013, hier sind die Arbeitgeber noch konkret. Ob es danach aber tatsächlich innerhalb von drei weiteren Jahren stufenweise Tarifrückkehr auf volles Tarifniveau gibt, darauf wollten sie sich nicht festlegen.

Es muss Klarheit her, wann voll bezahlt wird

Unsere Bundestarifkommission hat deswegen deutlich gemacht, dass wir so nicht verhandeln. Wir wollen Klarheit, wann wieder nach dem vollen Tarif bezahlt wird. Ohne Wenn und Aber und ohne Hintertürchen. Die Beschäftigten geben schon viel zu lange. Deswegen haben sie es jetzt auch verdient, verlässliche Aussagen zu hören. Dies war laut Arbeitgeberseite aber noch nicht möglich, weil sie erst Klarheit über das Weihnachtsgeschäft brauchen.

Für uns ist deswegen klar, dass sie bei der nächsten Verhandlung endlich ein konkretes Angebot machen müssen. Und zwar mit zeitlichen Zusagen, an die sie selbst glauben. Denn wer nimmt, ohne einen Rückzahlungstermin zu nennen, ist kein redlicher Verhandlungspartner! In den Verhandlungen konnten aber auch positive Fortschritte erzielt werden und zwar bei unserer zweiten zentralen Forderung nach Standort- und Beschäftigungssicherung. Zur Erinnerung: Noch Anfang des Jahres wollte die Geschäftsleitung von uns einen Freibrief dafür, dass sie bis zu 22 weitere Standorte schließen können. Dies hat die ver.di-Bundestarifkommission vehement abgelehnt. In den jetzigen Verhandlungen konnten wir unsere Forderung nach Standortsicherung für alle Filialen, deren Mietvertrag nicht in absehbarer Zeit ausläuft, durchsetzen. Dies bedeutet, dass die Gefahr völlig überraschender Filialschließungen ausgeräumt werden konnte.

Arbeitgeber soll ein Gesamtpaket vorlegen

Auch beim Thema Beschäftigungssicherung konnten wir Negatives abwehren. Hier wollte das Management die Möglichkeit bekommen, bei Einsatz von Concession oder Fremdbewirtschaftung betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen. Damit wäre bei einem weiteren Anstieg dieser Bereiche von rund 20 Prozent in den nächsten Jahren fast jeder 5. Arbeitsplatz gefährdet. Durch unsere Hartnäckigkeit soll es jetzt für die Laufzeit unseres Tarifvertrages eine Beschäftigungssicherung für alle geben.

Einen Erfolg konnten wir für die Beschäftigten der Schließungshäuser erreichen. Sie bekommen die Tariferhöhung rückwirkend für die letzten 12 Monate gezahlt und zusätzlich eine tarifliche Härtefallzahlung von 2.300 Euro. Unsere Aktionsbereitschaft hat also in all diesen Punkten zu einer positiven Bewertung geführt. Dafür bedanken wir uns bei allen, die deutlich gemacht haben, dass jetzt nur noch Fakten zählen. Deswegen ist für uns klar: Es wird Zeit, dass die Arbeitgeber jetzt endlich ein Gesamtangebot auf den Tisch legen, das allen Beschäftigten deutlich macht, wann es wieder zurück in die Tarifbindung geht. Gibt es bei der nächsten Tarifverhandlung Ende Februar kein Angebot, das dieser Forderung gerecht wird, zeigen die Arbeitgeber, dass sie nicht verhandeln können und es eigentlich auch nicht wollen.

Unsere Geduld kennt klare Grenzen!