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Zahltag – Entschädigung jetzt!

Eigentum verpflichtet

Zahltag – Entschädigung jetzt!

Lautes Geratter von Nähmaschinen. Plötzlich sind Geräusche eines einstürzenden Gebäudes zu hören. Passant/innen fallen zu Boden. Begraben unter den Logos von Benetton und den deutschen Unternehmen Adler Modemärkte, NKD und Kanz/Kids Fashion Group bleiben sie reglos auf dem Gehweg liegen. Die Umrisse ihrer Körper werden mit Kreide umzeichnet.

Anlässlich des zweiten Jahrestages des Zusammensturzes der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch werden Aktivist/innen der Kampagne für Saubere Kleidung, der auch ver.di angehört, am 23. April 2015 vor dem Shopping Center „Forum Steglitz“, Schlossstraße 1, in Berlin zu Boden fallend protestieren. Mit der Aktion fordern sie Benetton und deutsche Textilhersteller dazu auf, endlich in den Entschädigungsfonds für die Opfer einzuzahlen, in dem immer noch neun Millionen US-Dollar fehlen. „Rund zwei Jahre nach der Katastrophe erhärtet sich der Verdacht, dass die Unternehmen darauf setzen, dass die Zeit die Wunden vergessen macht“, sagt Berndt Hinzmann vom INKOTA-netzwerk, das auch in der Kampagne für Saubere Kleidung aktiv ist.

Die Kampagne weist seit Jahren immer wieder auf den Missstand hin, dass die Opfer der größten Unglücke der Textilindustrie noch immer keine angemessene Entschädigung erhalten haben. In Bangladesch starben beim Einsturz des Rana Plaza-Komplexes am 24. April 2013 mehr als 1.100 Menschen, 2.515 wurden überwiegend schwer verletzt. In Pakistan beim Brand in der Ali Enterprise-Fabrik im September 2012 starben nahezu 300 Menschen und beim Brand in einer Tazrin-Fabrik im November 2012 in Bangladesch über 100 Menschen, mehr als 200 wurden damals schwer verletzt.

Auch die Politik ist in der Pflicht

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat berechnet, dass 30 Millionen US-Dollar benötigt werden, um alle Opfer und ihre Hinterbliebenen angemessen entschädigen zu können. Bisher sind jedoch nur 21 Millionen US-Dollar in den Fonds von Unternehmen und anderen Organisationen eingezahlt worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Entwicklungsminister Gerd Müller sprechen sich öffentlich unmissverständlich für die notwendige und schnelle Einzahlung in den Entschädigungsfonds aus. Doch den Verlautbarungen folgen bisher keine Maßnahmen. Auch wenn in erster Linie die Unternehmen in der Verantwortung sind, ist doch auch die Politik in der Pflicht, die Opfer nicht allein zu lassen.

Rund zwei Jahre nach der Rana Plaza-Katastrophe soll das Stillhalten der Verantwortlichen die Forderungen der Opfer überdecken. Die Betroffenen jedoch brauchen diese Entschädigung, um ihr Leben wieder aufbauen zu können. Die Kampagne für Saubere Kleidung fordert deshalb mit der Aktion „# Pay Up! Entschädigung Jetzt“ Unternehmen und Politiker dazu auf, den Entschädigungsfonds zu füllen. Der Countdown läuft: Benetton, Adler Modemärkte, NKD und die Kanz/Kids Fashion Group müssen endlich in den Entschädigungsfonds einzahlen, KiK muss seine Summe aufstocken.

Benetton hat zwar inzwischen angekündigt, 1,1 Millionen US-Dollar einzahlen zu wollen. Das reicht aber bei weitem nicht, es müssten mindestens fünf Millionen US-Dollar sein. Benetton ist das Unternehmen, das massenhaft im Rana Plaza produzieren lassen hat. Jetzt nicht angemessen zu zahlen, ist untragbar. Benetton steht in der Pflicht und hat die Mittel, um gegenüber den Opfern Verantwortung und Sorgfalt wahrzunehmen. Im Jahr der Katastrophe von Rana Plaza stieg der Gewinn des italienischen Modekonzerns um 12,4 Prozent und betrug 245 Millionen US-Dollar.

Von den deutschen Unternehmen stehen insbesondere Adler Modemärkte, KANZ/Kids Fashion Group (Kinderkleidung z.B. für Baby Walz) und NKD und die Schmidt Group in der Pflicht, in den von der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) kontrollierten Entschädigungsfonds einzuzahlen. KiK hat auf Grund des hohen öffentlichen Drucks eine Millionen US-Dollar in den Fonds eingezahlt – angesichts der ebenfalls geforderten Summe von 5 Millionen US-Dollar ist dies auch noch immer viel zu wenig.

#Pay Up! Entschädigung Jetzt.

Was: Aktion zum Jahrestag der Katastrophe von Rana Plaza
Wann: Do., 23. April 2015, 17 Uhr
Wo: Forum Steglitz, Schlossstraße 1, 12163 Berlin

Zum Jahrestag der Katastrophe, am 24. April, wird es in Deutschland und weltweit Protestaktionen geben.

Wer nur eine Minute hat, kann auch protestieren

Unterschreibe die Petition #PayUpBenetton und schicke einen vorgefertigten Tweet bei Twitter: https://payup.cleanclothes.org/german/werde-aktiv/

Sei aktiv auf Facebook, z.B. durch das Teilen von Nachrichten/Aufrufen von: https://www.facebook.com/saubere.kleidung oder https://www.facebook.com/cleanclothescampaign?fref=nf

Wer mehr als eine Minute hat, findet hier weitere Ideen

http://www.cleanclothes.org/news/2015/04/16/join-the-rana-plaza-global-day-of-action