Landesfachbereich Handel in Baden-Württemberg

Presseschau 8.-14. Juli 2013

Presseschau 8.-14. Juli 2013

10.7.2013 - Aktion der Streikenden in Stuttgart Jo Röttgers 10.7.2013 - Aktion der Streikenden in Stuttgart  – 10.7.2013 - Aktion der Streikenden in Stuttgart

Karstadt in der Krise

Überleben oder sterben

Die Baumarktkette Praktiker hat einen Insolvenzantrag gestellt, vor einem Jahr wurde Schlecker abgewickelt. Und was wird aus Karstadt? Geschäftspartner und Mitarbeiter rätseln, was Eigentümer Nicolas Berggruen will. Drei Szenarien gibt es - von der Insolvenz bis zur Fusion mit dem Rivalen Kaufhof.

Mehr dazu im Artikel von Christoph Giesen, Max Hägler und Stefan Weber in Süddeutsche Zeitung vom 13. Juli 2013

 

NRW: Streiks bei Edeka Neukauf

Zentrale Streikversammlung in Moers

Die Streiks im nordrhein-westfälischen Einzelhandel gehen heute (12.Juli) weiter. Mit Beginn der Frühschicht sind rund 500 Beschäftigte der Marktkauf SB-Warenhäuser und der Edeka Neukaufmärkte in den Ausstand getreten. Gestreikt wird an den Standorten in Ahlen, Oelde, Ibbenbüren, Münster, Bielefeld, Güters-loh, Schloß Holte-Stukenbrock, Lemgo, Lage, Frechen, Wesseling, Duisburg, Gelsenkirchen und Sundern.

Quelle: ver.di NRW

 

20 Prozent waren zuviel

Baumarktkette Praktiker vor dem Aus. Fragwürdige Rabattstrategie bedroht 18000 Arbeitsplätze

Die Baumarktkette Praktiker steht vor dem Aus. Verhandlungen über weitere Finanzierungen der Sanierung seien gescheitert, teilte das Unternehmen am Mittwoch abend in Hamburg mit. Einzelne Gläubigergruppen hätten nicht zugestimmt. Damit ist die Praktiker AG überschuldet und zahlungsunfähig.

Mehr dazu in Junge Welt vom 12.07.2013

 

Streiks

Einzelhandel in Baden-Württemberg für Tarifanhebung ohne Abschluss

Arbeitgeber fordern Verdi zu Reform der Tarifverträge auf

In der festgefahrenen Tarifrunde für die Beschäftigten des Einzelhandels gehen die Arbeitgeber in Baden-Württemberg in die Offensive. Nach einer weiteren erfolglosen Verhandlungsrunde am Donnerstag empfahl die Große Tarifkommission des Handelsverbandes Baden-Württemberg den tarifgebundenen Unternehmen, auch ohne Tarifeinigung die Entgelte vorläufig um 2,5 Prozent anzuheben. Der Vorsitzende der Arbeitgeber-Kommission, Philip Merten, verband mit der Empfehlung die Erwartung, dass die Gewerkschaft Verdi nach einer solchen Lohnerhöhung zu Verhandlungen über eine "notwendige Modernisierung der Tarifverträge" bereit sein werde.

Quelle: Welt Online v. 11.07.13

 

Tarifrunde Einzelhandel

Proteste begleiten Verhandlungen in Korntal-Münchingen

dpa/lsw, 11.07.2013 - Korntal-Münchingen - Die vierte Verhandlungsrunde im Einzelhandels-Tarifstreit ist von Protesten begleitet worden. Etwa 1000 Beschäftigte versammelten sich nach Gewerkschaftsangaben am Donnerstag vor dem Verhandlungsort in Korntal-Münchingen (Kreis Ludwigsburg) zu einer Kundgebung. „Wir erwarten keine einfachen Gespräche“, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Zuletzt war es zu keiner Annäherung gekommen.

Die Gewerkschaft Verdi will nach wie vor nur über Lohnerhöhungen sprechen. Die Arbeitgeber fordern strukturelle Änderungen im Manteltarifvertrag, bevor über die Entgelte verhandelt wird. Seit Wochen mobilisiert Verdi deshalb seine Mitglieder zu Warnstreiks.

Mehr dazu in Stuttgarter Zeitung vom 11.7.2013

 

Tarife: 700 Beschäftigte aus dem Einzelhandel gehen in Mannheim für mehr Geld auf die Straße / Heute weitere Verhandlungen

„Sirtaki“ zum Arbeitskampf

Mannheim. Der Tanz am Mannheimer Paradeplatz beginnt. Frauen und Männer fassen sich an den Armen. Zuerst strecken sie die Beine langsam hoch, dann immer schneller. "Sirtaki" heißt der griechische Tanz. "Er kommt aus der Hitze", sagt Stephan Weis-Will von ver.di Rhein-Neckar, "hier bei uns ist es auch heiß." Etwa 700 Beschäftigte aus dem baden-württembergischen Einzelhandel - die meisten aus Mannheim, Heidelberg und Karlsruhe - stehen am Paradeplatz in der prallen Sonne. In neongelben Sicherheitswesten und mit Trillerpfeifen protestieren sie für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne und Gehälter.

Mehr dazu im Artikel von Alexander Jungert im Mannheimer Morgen vom 11.7.2013 mit Fotostrecke

 

„Eine Nagelprobe für die Gewerkschaft“

Streiks im Einzelhandel mit guter Beteiligung. Konflikt hat große Bedeutung. Ein Gespräch mit Bernhard Franke

Bernhard Franke ist Leiter des Fachbereichs Handel im ver.di-Landesbezirk Baden-Württemberg

Im Einzelhandel finden schon seit einigen Wochen bundesweit Arbeitsniederlegungen statt. Welche Zwischenbilanz ziehen Sie?

Die Streikbereitschaft ist beeindruckend. Wir haben eine hervorragende Beteiligung in nahezu allen gewerkschaftlich organisierten Betrieben. Die Kolleginnen und Kollegen zeigen eine große Entschlossenheit und eine enorme Ausdauer. Einzelne Belegschaften in Baden-Württemberg haben seit Mai bereits vier Streikwochen hinter sich. Bundesweit sind die Erfahrungen ähnlich. Die Mobilisierung hat mittlerweile durchaus die Dimension der großen Tarifauseinandersetzung von 2007/2008. Hinzu kommt eine außergewöhnlich gute Mitgliederentwicklung: Allein in Baden-Württemberg sind seit Jahresbeginn rund 2500 Einzelhandelsbeschäftigte ver.di beigetreten.

Mehr im Interview von Daniel Behruzi in Junge Welt vom 09.07.2013

 

Wer streikt, gewinnt

Tarifkonflikt im Einzelhandel beschert ver.di 22000 neue Mitglieder. Auch andere Fachbereiche im Plus. Bestes Halbjahr seit Gründung der Dienstleistungsgewerkschaft

Eine Gewerkschaft, die kämpft, kann verlieren. Sie kann aber auch gewinnen, nicht nur materiell, sondern auch an Organisationsmacht. So ist die Tarifauseinandersetzung im Einzelhandel zwar längst nicht entschieden. Schon jetzt ist aber klar: Viele Beschäftigte haben sie zum Anlaß genommen, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Rund 22000 Mitglieder hat ver.di seit Jahresbeginn in der Branche gewonnen.

Mehr dazu im Artikel von Herbert Wulff in Junge Welt vom 09.07.2013

  

Streiks im Einzelhandel

Heilbronn - Der Tarifkonflikt im baden-württembergischen Einzelhandel spitzt sich zu. Am Samstagmittag machten rund 300 Streikende vor dem Kaufhof am Wollhaus ihrem Unmut über die stockenden Verhandlungen Luft. Mit grellen Streikwesten, Trillerpfeifen und Transparenten forderten die Beschäftigten die Arbeitgeber auf, den Manteltarifvertrag wieder in Kraft zu setzen und die Löhne zu erhöhen.

"Jetzt reicht‘s", rief der Heilbronner Verdi-Sekretär bei der Kundgebung vor dem Kaufhof am Wollhaus den Streikenden zu. Die von den Arbeitgebern geforderten Verschlechterungen im Tarifvertrag werde man nicht akzeptieren. "Wir werden uns nicht erpressen lassen", sagte Müssig. Die Gewerkschaft verlangt vielmehr eine Lohnerhöhung um einen Euro pro Stunde. "Ihr seid mehr wert", bescheinigte Müssig den Streikenden.

Neben den Beschäftigten aus den beiden Heilbronner Kaufhöfen und dem Esprit-Geschäft waren auch Mitarbeiter einiger Kaufland-Filialen sowie Streikende aus Stuttgart nach Heilbronn gekommen. "Die Streikmoral ist sehr gut", sagte Müssig. Thema der Kundgebung war auch die beschlossene Schließung des Kaufhofs am Wollhaus. "Das hat uns den Boden unter den Füßen weggezogen", gab Mitarbeiterin Ute Schuchmann Einblick ins Seelenleben der Belegschaft. Gemeinsam mit der Gewerkschaft fordert sie einen Arbeitsplatz für jeden der 80 bis 90 betroffenen Kaufhof-Beschäftigten.

Iris Geiger aus Stuttgart kennt die Situation in Heilbronn aus eigener Erfahrung. "Es war damals schon klar, dass das mit zwei Häusern nicht funktionieren kann." Wie so oft müssten nun die Mitarbeiter die Folgen dieser Fehlentscheidung ausbaden, ärgert sie sich. jüp

Quelle: Heilbronner Stimme vom 8.7.2013